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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
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heit geſellt ſich bei ihm ein faſt phyſiſcher Widerwille gegen einen wichtigen Gegenſtand unſeres Unterrichts.

Frau Tillmann. Sie meinen Griechiſch und Latein?

Direktor(erſtaunt). Wie kommen Sie darauf?

Frau Tillmann. Weil er es mir oft geſagt hat.

Direktor. Sehen Sie wohl, ich täuſchte mich alſo nicht. Und das alles wirkt bei ihm zuſammen, macht ihn ver⸗ drießlich und in ſich gekehrt.

Frau Tillmann. So eingehend hat ſich allerdings noch Niemand mit ihm beſchäftigt.

Direktor. Robert iſt offenbar durch den Beſuch des Gymnaſiums in eine ganz falſche Bahn gelenkt worden.

Frau Tillmann. Wenn mir das nur jemand früher geſagt hätte.

Direktor. Daran läßt ſich zunächſt nichts ändern. Er iſt jetzt ſo weit gekommen. Nun mag er das Gymnaſium auch durchmachen. Aber Sie werden ſehen, ſobald er es hinter ſich hat, tritt bei ihm eine Neigung zur praktiſchen Thätigkeit hervor. Und irgendwo wird er ſeinen Platz ordentlich aus⸗ füllen, davon bin ich überzeugt.

Frau Tillmann. Aber wie wird es ihm das letzte Jahr auf dem Gymnaſium ergehen?

Direktor. Auch das habe ich mir überlegt. Bis Oſtern laſſe ich den Dingen ihren Lauf. Ich möchte nichts übereilen und dadurch verderben. Nach Oſtern kommt er in die Oberprima und damit unter meine ſpezielle Aufſicht.

Frau Tillmann. Das iſt jedenfalls ein großes Glück für

Robert. Direktor. Auch mit den Kollegen werde ich mich ver⸗ ſtändigen. Kommen ihm ſeine Lehrer im neuen Lehrjahre freundlich entgegen, ſo wirkt das auch auf ſeine Mitſchüler zum Guten ein. Er findet dann wieder mehr Anſchluß. Und hoffentlich auch an die beſſeren Elemente. Dieſer Sonnenberg, mit dem Ihr Sohn verkehrt, gefällt mir nicht. Er iſt ein Menſch mit rohen Geſinnungen und dabei, wie ich fürchte, unwahr und falſch.

Zabel und Bock, Der Gymnaſialdirektor. 3