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Frau Brand. Zwei Jungen, mein ganzer Stolz. Keine Schablonenweſen. Friſche, originelle Naturen, echte Race⸗ menſchen.
Frau Tillmann. Soſo!
Frau Brand. Sie ſind ungefähr ſo alt wie Ihre beiden Söhne.
Frau Tillmann. Nur der ältere iſt mein Sohn. Robert! (Robert ſteht auf und verbeugt ſich.) Der andere iſt ſein Kamerad, der Sohn unſeres Nachbars Sonnenberg.(Paul verbeugt ſich auch) Sie haben gewiß auch mit Ihren Kindern viele Sorgen.
Frau Brand. Das kann ich nicht grade ſagen. Jungen muß man ſich ſelbſt überlaſſen. Das muß austoben.
Frau Tillmann. Ich ſollte meinen, grade Knaben be⸗ dürfen einer ſtrengen Aufſicht.
Frau Brand Ich bitte Sie, und wenn Sie den ganzen Tag dahinter ſtehen, machen ſie nachher doch die tollſten Streiche. Und wozu wäre auch ſonſt die Schule da! Wir haben hier ja ein ſo vortreffliches Gymnaſium.
Frau Tillmann. Mein Robert iſt ſelbſt auf Unterprima.
Frau Brand. Nun dann wiſſen Sie es ja. Und das iſt das Angenehme. Die moderne Pädagogik legt auf den häuslichen Fleiß der Schüler kein ſonderliches Gewicht. In der Schule ſoll gearbeitet werden. Und das überhebt die Eltern einer läſtigen Kontrolle.
Frau Tillmann. Ich habe trotzdem bis vor kurzem die Arbeiten meines Sohnes überwacht.
Frau Brand. Das kann man wirklich getroſt den Lehrern überlaſſen. Die älteren Lehrer ſelbſt kenne ich zwar weniger. Aber die jüngeren! Da ſind geiſtvolle und inter⸗ eſſante Menſchen darunter. Da iſt namentlich der Oberlehrer Fuchs, ein ungewöhnlicher Menſch und ſo vielſeitig begabt. Ich könnte ihm ſtundenlang zuhören. Sie kennen ihn nicht?
Frau Tillmann. Nur durch das, was mir mein Sohn von ihm erzählt. Es iſt jedenfalls eine Beruhigung, ſeine Kinder ſo gut aufgehoben zu wiſſen. 1
Frau Brand lſich erhebend). Ich habe Sie ſchon zu lange geſtört.
Frau Tillmann. Ich bitte Sie, durchaus nicht.
Frau Brand. Möchten Sie mir die Wohnung vielleicht zeigen laſſen?


