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Frau Tillmann. Und wahrſcheinlich reich.
Frau Brand. Sehr reich und darauf pocht ſie.
Frau Tillmann. Das läßt ſich denken.
Frau Brand. Eine ganz ungebildete Perſon. Und dabei beanſprucht ſie, wir ſollen mit ihr verkehren.
Frau Tillmann. Das iſt allerdings eine ſtarke Zu⸗ mutung.
Frau Brand. Es fällt uns natürlich nicht ein. Aber aus Rache verfolgt ſie uns mit den infamſten Chikanen.
Frau Tillmann. Das iſt freilich auf die Dauer ein unangenehmes Verhältnis.
Frau Brand. Und dann unſere Nachbarn! Dieſe ent⸗ ſetzliche Neugierde— dieſe ewigen Zudringlichkeiten. Auf Schritt und Tritt wird man beobachtet. Wenn ich große Wäſche habe, zählen ſie jedes Stück nach.
Frau Tillmann. Sie ſind gewiß Großſtädterin?
Frau Brand. Jawohl— aus Berlin.
Frau Tillmann. Da wird es Ihnen vermutlich ſchwer, ſich in unſere kleinen Verhältniſſe zu finden.
Frau Brand. Ich gebe mir auch wirklich gar keine Mühe. Man lernt ſich zwar über vieles hinwegſetzen. Sehen Sie, ich bin allein. Mein Mann hat eine amerikaniſche Vertretung in Kamelhautleder⸗Treibriemen. Schauderhaft— was?
Frau Tillmann. O warum?
Frau Brand. Und da verlangen die Leute immer, daß wir Frauen dem Beruf unſerer Männer Verſtändnis und Intereſſe entgegenbringen. Wie wäre das bei dem Geſchäft meines Mannes wohl möglich? Schon der Gedanke daran beleidigt den guten Beſchüack denn einen Duft verbreiten dieſe Felle, einen Duft ſage ich Ihnen. Nun Gott ſei Dank, mein Mann iſt viel unterwegs. Und ich brauche Anregung, ſtarke Anregung...
Frau Tillmann. Und die fehlt eigentlich ganz bei uns.
Frau Brand. Man muß ſich zu helfen wiſſen. Ich leſe, muſiziere und correſpondiere viel. Und dann ein paar Menſchen, die einen verſtehen.
Frau Tillmann. Sie haben doch Kinder?


