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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
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Fünfter Auftritt. Direktor. Frau Tillmann.

Frau Tillmann(ſchöne edle Erſcheinung mit Zügen ſchweren Kummers, ſehr einfach, aber mit Geſchmack gekleidet). Verzeihen Sie, Herr Direktor. Ich habe es verſäumt, mich vorher nach Ihrer Sprechſtunde zu erkundigen.

Direktor. Bei meiner großen Anſtalt muß ich auf ge⸗ naue Zeiteinteilung halten. Es treten ſo viele Wünſche an mich heran. Womit kann ich Ihnen dienen, gnädige Frau?

Frau Tillmann. Ich war bereits in der vorigen Woche einmal hier, aber der Schuldiener. ſagte mir, Sie ſeien verreiſt.

Direktor. Ach ſo Sie ſind ich erinnere mich Ihr Name iſt

Frau Tillmann. Frau Tillmann.

Direktor. Der Ordinarius hat mir bereits von Ihrem Sohn Robert geſprochen. Denn um ihn handelt es ſich ja wohl, nicht wahr?

Frau Tillmann. Jawohl, Herr Direktor.

Direktor. Wollen Sie nicht einen Augenblick Platz nehmen, damit wir die Angelegenheit ſchnell erledigen können? Bitte.(Auf das Sofa zeigend.)

Frau Tillmann. Ich möchte Sie um Rat fragen, Herr Direktor, meines Kindes wegen. Ich möchte mich dabei nicht allein an den Leiter der Anſtalt, ſondern ebenſo ſehr an den edlen hilfsbereiten Menſchenfreund wenden. Meine traurige Lage mag Ihnen als Entſchuldigung dienen.

Direktor. Sie ſind Witwe, gnädige Frau?

Fran Tillmann. Seit zwei Jahren. Ich ſtehe mit meinem Kinde völlig allein.

Direktor. Das thut mir aufrichtig leid. Aber ich weiß noch immer nicht. Der Ordinarius ſagte mir, daß Robert ſo leidlich mitkommt. Hat er ſich etwa wider Erwarten doch etwas zu Schulden kommen laſſen?

Frau Tillmann. O nein, Herr Direktor. Robert iſt ein durchaus gutgearteter Knabe. Und trotzdem macht er mir ernſtliche Sorgen. Ich befinde mich in einer verhängnis⸗ vollen, ja für eine Mutter entſetzlichen und unerträglichen