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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
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Direktor. Ja, da läßt ſich jetzt doch nichts mehr thun.

Sonnenberg. Herr Direktor, der Junge iſt aber nich dumm.

Direktor. Um ſo ſchlimmer, wenn er ſeine Pflicht nicht gethan hat.

Sonnenberg. Meine Frau ſtammt aus einer gebildeten Regiſtratorfamilie. Sie hat ihm alle Vokabeln abgehört.

Direktor. Ich werde mich bei der Lehrerkonferenz er⸗ kundigen, wo es bei Ihrem Sohne hapert, Herr Sonnen⸗ berg.

Sonnenberg. Und ſchließlich das olle eklige Latein. Es reformelt doch auch bei Ihnen von wegen der lateiniſchen Exerzitien.

Direktor. Das laſſen Sie wohl uns Lehrer beurteilen.

Sonnenberg. Ich meine ja man bloß. Der Junge braucht in ſeinem ganzen Leben keine lateiniſchen Vokabeln.

Direktor. Das hätten Sie ſich früher überlegen ſollen. Warum haben Sie Ihren Sohn nicht in die Volksſchule geſchickt?

Sonnenberg(vehmütig). Wie können Sie mir ſo be⸗ leidigen, Herr Direktor. Ich meinen Sohn in die Volks⸗ ſchule unters Proletenpack? Nee, Herr Direktor. Lieber ein verkommener Gymnaſiaſte als ein ungebildeter Volks⸗ ſchüler.

Direktor. Ich weiß wirklich nicht, was Sie jetzt noch vor der Verſetzung von mir wollen.

Sonnenberg. Wenn der Junge ſitzen bleibt, Herr Direktor, meine Schwiegermutter überlebt's nich ſag' ich Ihnen.

Direktor. Das ſollte mir leid thun. Aber ich kann nicht einſehen, woher das große Unglück kommen ſoll, wenn Ihr Sohn ein Jahr zurückbleibt.

Sonnenberg. Aber ich ſage Ihnen es giebt einen Riß in mein ganzes Familienleben.

Direktor. Dafür können Sie doch die Schule nicht verantwortlich machen.

Sonnenberg udringlich bittend). Sie werden doch ſehen, was Sie thun können. So'n geſcheiter Mann und die vielen Bücher! Ich habe einen Verwandten. Der war Ihr