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arbeiten. Wenn ich von der Kneipe nach Hauſe komme, ſehe ich in Ihrem Zimmer ſchon Licht.
Direktor. Ich pflege im Sommer und Winter um vier Uhr aufzuſtehen. Aber was meinten Sie denn eigentlich?
Sonnenberg. Na, ich habe Ihnen das Zeitungsblatt mitge⸗ bracht. Da ſteht's drin. Sie waren neulich in Berlin und haben ſo'n großes Buch über den Shakespeare geſchrieben. Da werden Sie wohl'ne Stange Gold verdienen.
Direktor. Nein, mein lieber Herr Sonnenberg, ſo ängſtlich iſt es damit nicht. Was die Zeitungsſchreiber auch alles herausbekommen! Ich war allerdings verreiſt,
aber ich habe mit niemand über den Zweck meiner Reiſe geſprochen. Nun, das iſt aber doch nicht alles, was Sie mir mitzuteilen haben.
Sonnenberg. Ganz recht, Herr Direktor. Ich komme eigentlich wegen meines Jungen. Sie wiſſen ja, ich habe Ihnen drei aufs Gymnaſium geſchickt.
Direktor. Ja, ja. Die beiden älteſten ſind jetzt bei Ihnen im Geſchäft nicht wahr?
Sonnenberg. J Gott bewahre. Der älteſte, was der Hugo iſt, dient bei die Huſaren. Koſtet mir ein Heidengeld, Herr Direktor.
Direktor. Das kann ich mir denken.
Sonnenberg. Der zweite ſpielt in Hamburg den Volontär..
Direktor. Und den dritten wollen Sie jetzt aus der Schule nehmen.
Sonnenberg. Ja, wenn das nur ſo gänge. Aber der Einjährige, Herr Direktor...
Direktor. Wie ſteht's damit?
Sonnenberg. Montag kommt der Junge jammernd nach Hauſe. Rührt keinen Biſſen an. Meiner Schwieger⸗ mutter laufen die hellen Thränen über die Backen. Meine Schwiegermutter iſt nämlich—
Direktor. Aber Herr Sonnenberg...
Sonnenberg.„Was haſt De denn?“ frag ich Paulen. „Vater,“ heult er,„ich werde nich verſetzt.“„So,“ ſag' ich,„wer ſagt das?“„Der Herr Oberlehrer Becker,“ brüllt er,„weil ich im Lateiniſchen zu ſchwach bin.“


