Druckschrift 
Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen

3

nommen zu haben, nach Schluß der Schule zurückbehalten, ihm die Taſchen umgekehrt und ſogar die Stiefel ausgezogen. Sie haben aber das Geld nicht gefunden. Der Penſions⸗ vater des Knaben hat ſich bei mir darüber beſchwert. Ich habe dem Mann nicht unrecht geben können. Wie kommen Sie dazu, mit dem Knaben eine ſo entehrende Unterſuchung vorzunehmen, ihn wie einen Verbrecher zu behandeln?

Fuchs. Herr Direktor, dem Jungen konnte man ſo etwas wohl zutrauen.

Direktor. Sie ſehen aber doch, daß ſich das Geld nicht bei ihm gefunden hat. Und um ein paar Pfennige auf einen ganz ungewiſſen Verdacht hin, einen Schüler wie einen Dieb zu behandeln! Ich kann Ihnen das nicht durchgehen laſſen, Herr Oberlehrer. Haben Sie mehr Achtung vor der Jugend. Wirkliche Ungezogenheiten werden bei mir immer geahndet. Ich will aber, daß den Schülern meiner Anſtalt ſo viel Freiheit bleibt, wie wir mit unſerem Gewiſſen als Lehrer verantworten können. Die Knaben ſollen ſich ſpäter mit Freuden an ihre Jugend erinnern.

Fuchs. Ganz wie Sie wünſchen, Herr Direktor(vill gehen).

Direktor. Das iſt nicht alles. Ich habe noch mehr mit Ihnen zu beſprechen. Ich muß es Ihnen ins Geſicht ſagen. Ich finde Sie, Herr Oberlehrer, beim Unterricht geradezu ungerecht und parteiiſch.

Fuchs(erregt). Herr Direktor, ich muß doch ſehr bitten..

Direktor. Ich kann Ihnen das nicht erſparen. Ich höre von verſchiedenen Seiten, daß Sie die beiden Brands, obwohl es heillos ungezogene Jungen ſind, offenkundig bevorzugen.

Fuchs. Stellen Sie mich den Denunzianten gegenüber. Ich möchte doch ſehen, wer die Stirne hat, ſo etwas zu behaupten.

Direktor. Die Brands machen bei Ihnen in der Stunde, was ſie wollen.

Fuchs. Das muß ich entſchieden beſtreiten.

Direktor. Das dürfte Ihnen ſchwer fallen, Herr Ober⸗ lehrer. Ich bin zufällig ſelbſt Zeuge geweſen, wie die Knaben ſich während der Frühſtückspauſe dieſer Bevorzugung durch Sie laut rühmten und dabei ſagten:Der Oberlehrer

1*