Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
Seite
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Fachingen, Balduinstein. 185

Schöner Rückblick auf das domartig aufsteigende Schloss. Weiter benützt man den Leinpfad. Bald treten die Felsen, mit je zwei Zacken einander entgegenragend, mächtig gegen den Fluss vor und bilden ein förmliches Felsenthor, durch welches die Lahn in Strudeln sich Bahn bricht. Der von Süden ragende Fels heisst die Kreualey, die Steinbrüche in der Nähe gehören dem Geh. Kommerzienrat Krupp. Nach einer halben Stunde langt man gegenüber dem Dörfchen Fachingen an, welches auf der linken Lahnseite liegt, und lässt sich auf einer Fähre übersetzen, von der man durch die Wiese zu dem Linden- und Kastanienplatze geht. Die Bäume gehören bereits zu den Brunnenanlagen. In dem Brunnenhäuschen nahe dem Fluss- ufer entquillt der Erde das berühmte Fachinger Mineral- wasser, dessen Be- trieb vom Staate an die Firma Siemens & Co. in Berlin ver- pachtet ist. Mit Ein- schluss der Brunnen von Niederselters(s. S. 165) und Geilnau (S. S. 190) zahlen die Pächter 310 000 Mk. jährliche Pacht und haben dafür das Recht, 2700000 Krü- ge zu füllen, müssen aber jedes diese Zahl übersteigende Quan- tum besonders vergüten. Die Umwohnenden haben das Recht, sich während je einer halben Stunde des Vormittags und Nach- mittags gegen Gutscheine eine beschränkte Anzahl von Krügen zu ihrem Privatgebrauche zu füllen.

5,6 km Haltestelle Balduinstein, Höhe über N. N. 108,8 m. Die Bahnlinie geht bei Fachingen auf das rechte, jenseits des Tunnels wieder auf das linke Lahnufer. Wer den Weg zu Fuss zurücklegen will, verfolge von der Fachinger Fähre aus den Leinpfad am Flusse abwärts weiter und lasse sich bei dem Balduinsteiner Stationsgebäude übersetzen. Wirts- häuser von Noll und Hergenhahn, beide einfach. Der Ort ver- dankt seinen Ursprung und seinen Namen der in einer Seiten- schlucht auf steilem Felsen hängenden Burg Balduinstein, welche 1319 von dem streitbaren Erebischof Balduin von Trier in einer Fehde gegen die Grafen von Mesterburg erbaut wurde. In den Trümmern des längst verfallenen Schlosses hat sich ein Herr Herber aus Wiesbaden eine hübsch gelegene Villa

Balduinstein.