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Catzenelmbogen, bezw. Hessen veräussert hatte, drei Gemeinschafts- herren auf dem Schlosse zu Diez geboten und hier 1469 einen gemeinsamen ständigen Obergerichtshof für die ganze Grafschaft errichteten. Seit 1557 war Nassau-Dillenburg im Besitz des ganzen Gebiets. Der letzte Fürst, Wilhelm Friedrich, von Napoleon aller seiner Stammlande beraubt, erhielt dieselben 1813 zurück, trat sie aber 1815 an Nassau ab und wurde König der Niederlande und Grossherzog von Luxemburg. Der Ort erhielt 1329 Stadtrecht und wurde mit Mauern umgeben, von denen noch Reste zu sehen sind.
Zur Stadt geht man vom Bahnhof dem Bahndamm ent- entlang, bis die Bahnhofstrasse vor der Aar rechts biegt, um nachher ihre Fortsetzung in der Wilhelmsstrasse zu finden. ———— Dieser Teil ist 3 durchaus mo- dern. Erst wenn man von der Wilhelmstrasse durch die 4l- stadtstrasse zum alten Markt wei- ter geht, werden die Strassen winkliger und enger, die Häu- ser altertümli- cher. Biegt man beim Wirtshaus zum Lahnthal links, so kommt man zur Lahnbrücke, welche die am rechten Flussufer ge- legene Vorstadt anschliesst. Die Brücke selbst ist, eine moderne Gitterbrücke, ruht aber auf zwei umgefallenen Pfeilern der alten, welche 1634 von den Schweden gesprengt worden ist. Ueber der Vorstadt hängt auf steilem Felsen das älteste Gotteshaus der Stadt, die jetzt evangelische Peterskirche, welche aus dem 13. Jahrhundert stammt, 1846 aber erneuert worden ist. Wendet man sich vom alten Markt rechts auf- wärts, so gelangt man den Schlossberg hinan steigend zum Schlosse, einem aus schmucklosen Bauten zusammengesetzten Gebäudekomplex, welches aber mit der daneben gelegenen alten Kirche durch die beherrschende Lage auf dem Felsen und die malerische Gruppierung einen überaus fesselnden Ein- druck macht. Jetzt beherbergt es 2— 300 Sträflinge, die mit Weben, Stroh-, Draht- und Stuhlflechten beschäftigt werden. Das Schloss wird noch überragt von der alten Receptur, dem heutigen Domänenrentamt, welches in ältester Zeit als Wit-
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