Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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162 Limburg.

Gegenstände sind Teile des ehemaligen churtrierischen Metro- politanschatzes, welche vor der Gefahr der vordringenden Franzosen in der Revolutionszeit nach dem Ehrenbreitstein geschafft wurden und im Luneviller Frieden samt dieser Feste in den Besitz von Nassau-Weilburg gelangten. Zur Zeit der Verhandlungen über Errichtung des Bischofssitzes 1822 schenkte Herzog Wilhelm den Schatz der Limburger Kathedral- Kirche, nicht ohne vorher einige der kostbarsten Edelsteine herausgenommen und durch kleine herzogliche Wappenschilde in Email ersetzt zu haben. Der Reichtum dieser Gegenstände, bestehend aus den dem 12. und 13. Jahrhundert angehörenden bischflichen Insignien, zwei goldenen Kelchen, einer Monstranz, einem Reliquienschrein, dem Stab des hl. Petrus in mit Goldblech überzogener Kapsel, ist ein enormer an Edelmetall und Gesteinen. Weist doch allein die Mitra 3353 Pretiosen auf, unter ihnen über 2900 Diamanten. Bei weitem das wertvollste unter den Kunstwerken ist das berühmte byzantinische Reliquiarium, mehrfach beschrieben und abgebildet, unter andern von dem Sekretär des Rheinischen Altertumsvereins Aus'm Wert unter dem Titel: Das Siegeskreuz der byzantinischen Kaiser, Bonn 1866. Nach der griechischen Inschrift stammt es aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts und wurde an- gefertigt auf Befehl des byzantinischen Kaisers Constantin Porphyrogenitus als Behältnis eines grossen Stückes echten Kreuzesholzes, welches in Kreuzesform im Innern der Theke bewahrt wird. Die Hülle, welche neben den genannten noch verschiedene andere Reliquien umschliesst, ist von Gold und mit Edelsteinen, Perlen und dem kostbarsten Email aufs reichste geschmückt. Die bildlichen Darstellungen und die Emailarbeiten gehören zu den vollendesten, die Menschenkunst geschaffen hat.

Eine andere Reliquie, der Stab des Apostels Petrus, ist in einer mit Goldblech überzogenen Büchse von Eichenholz auf- bewahrt, welche durch einen goldenen, mit Emailbildern und ungeschliffenen Edelsteinen gezierten Deckel in Form einer Krone geschlossen wird. Doch ist nur die obere Hälfte des Stabes echt, die untere, welche hier ersetzt ist, wurde im Domschatz zu Köln aufbewahrt, bis sie auf der Flucht nach Magdeburg im dreissigjährigen Kriege spurlos verloren ging.

Jedenfalls gehört dieser Domschatz zu den hervorragenden Sehenswürdigkeiten nicht nur Limburgs, sondern des ganzen Lahnthals, und wer irgend Gelegenheit hat, sollte nicht ver- säumen, denselben in Augenschein zu nehmen.

Näheres findet man in: Ibach, Der Dom von Limburg, 3. Auflage. 60 Pfg. Verlag von H. A. Herz in Limburg.