Teil eines Werkes 
[1] (1902) Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stufen : mit ca. 100 Illustrationen und 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer grossen Übersichtskarte / bearbeitet von Heinrich Luerssen, Wetzlar
Entstehung
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122 Altenberg. Burgsolm.

die Franzosen unter General Lefeure erkämpften Sieges, welches 50 Jahre später von den Bürgern Wetalars in Erinnerung an diesen für die Stadt bedeutsamen Tag errichtet wurde. Wenig abwärts fällt das auf mässiger, aber schroff vor dem Fluss zurückspringender Anhöhe gelegene, von Wald und Park umgebene Altenberg ins Auge, bis zu seiner Säkularisation ein adliges Prämonstratenser Nonnen kloster.

Gegründet 1180 von dem Kloster Wülfersberg bei Rommers- dorf im Kreise Neuwied, gelangte Altenberg aus kleinen und ärm- lichen Anfängen zu grosser Bedeutung, als die Tochter der heiligen Elisabeth, die 21 jährige Gertrudis, zur dritten Aebtissin des Klosters gewählt wurde. Sie nahm alsbald den Bau der schönen Kloster- kirche in Angriff, welche schon 1267 eingeweiht werden konnte und noch heute die Höhe des Berges ziert. Der Bau weist den frühgotischen Stil auf, und der Einfluss der Marburger Elisabeth- kirche wie des Wetzlarer Domes sind unverkennbar. Der Chor ist aus fünf Seiten des Achtecks gebildet, an die Vierung setzt sich nur der nördliche, einjochige Kreuzarm und das einschiffige, sechs- jochige Langhaus. Im 15. Jahrhundert wurde spätgotisch eine Nonnen-Empore in den vier westlichen Langhausjochen gebaut und davor ein quadratischer, niedriger Kapitelsaal gelegt. Seit 1536 unter hessischer Schutzgerechtigkeit stehend, litt das Kloster sehr in den Kriegen des 17. Jahrhunderts, bis es bei seiner Aufhebung 1802 zu einer Solms-Braunfelsischen Domäne wurde.

In der Kirche wird alle 4 Sonntage von dem Pfarrer des benachbarten Dorfes Oberbiel Gottesdienst abgehalten. Der Blick von einigen Stellen des Parks, sowie von der reservierten Klosterterrasse in das Thal ist ein hervorragend schöner. Zu dem Denſmal, der Dahlheimer Kapelle und dem Kloster gelangt man am besten auf der von der Neustadt-Wetalar lahnabwuͤrts führenden Chaussee; der Weg nach dem Kloster ist durch rote Punkte bezeichnet.

Will man letzteres von Albshausen aus besuchen, etwa ½ Std., so überschreitet man von der Haltestelle aus die Schienen, weiter abwärts die Lahnbrücke und wendet sich im Dorfe Oberbiel auf der Chaussee nach rechts, um bei dem nächsten Waldvorsprung links das schluchtartige Thälchen aufwärts zu geben.

7,5 km Haltestelle Burgsolms, grosses, stark wachsendes Dorf mit bedeutender Industrie nahe der Mündung des Sohms- bachs in die Lahn. Gasthäuser von Renkhof und von Praun. Die St. Georgshütte, erbaut von dem Fürsten Georg von Braunfels, ist jetzt ein Teil der Buderusschen Eisenwerke Wetzlar und verhüttet die Eisenerze der zahlreichen be- nachbarten Gruben. Auf der anderen Seite des Baches befindet sich eine bedeutende Fabrik für landwirtschaftliche