118 Dillenburg.
Sorge trägt, ebenso ein Radfahrerklub, Gau IX, Nordbezirk, Bundesgasthäuser Hotel Zum Hirsch und Hotel Schwan, Repa- raturwerkstätte von Christ. Stun⸗, Wilhelmstrasse.
Dillenburg, Hauptstadt des Dill-Kreises, Provinz Hessen- Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, mit 4476 meist evange- lischen Einw., ist Sitz eines Landratsamtes, eines Amtsgerichts, zweier Oberförstereien, einer Berginspektion, eines Bergamts, eines Landesgestüts u. s. w., sowie eines Kgl. Gumnasiums, Lehrerseminars mit Präparandenschule und einer Bergschule. Die Stadt ist der Mittelpunkt eines bedeutenden Berg- und Hütten- betriebs, sowie einer regen Leder- und Tabakindustrie. Besonders aber hat Dillenburg sich in den letzten Jahren als Luftkurort herausgebildet, wozu es durch die örtlichen Verhältnisse, die schöne Umgebung, besonders aber deshalb geeignet erscheint, weil der herrliche Wald von mehreren Seiten unmittelbar an die Stadt herantritt. Das 1900 neuerbaute Kurhaus mit Depen- dance enthält 38 Zimmer.
Nicht minder aber wird unser Interesse durch die geschicht- lichen Erinnerungen in Anspruch genommen, welche sich besonders an die alte Burglage knüpfen. Wahrscheinlich hat Graf Heinrich der Reiche um 1240 zum Schutze des noch nicht lange seinem Hause zugefallenen Landes auf der in drei Thäler schauenden Bergspitze diese Burg angelegt, die 1255 zuerst urkundlich erwähnt wird. Gleichzeitig entstand zu ihren Füssen die Stadt an der Dill. Unter Heinrich I.(† 1343) wurde sie vermutlich in der dernbachischen Fehde verbrannt, aber grösser wieder aufgebaut. Seir Graf Tyil- helm dem Reichen, welcher um 1536 die riesige, über 20 m hohe und über 300 m lange Mauer von Basaltsäulen an der der Stadt zugekehrten Seite aufführen liess, blieb das Schloss bis 1739, wo die 1652 gefürstete Linie ausstarb, die ständige Residenz des Regenten von Nassau-Dillenburg. Graf Johann VI. versah das- selbe um 1567 mit neuen stärkeren Festungswerken und einem Zeughause, sodass es den Stürmen des dreissigjährigen Krieges zu widerstehen vermochte. Im siebenjährigen Kriege aber wurde es, nachdem es vom 28. Juni bis 16. Juli 1760 belagert und in Brand geschossen worden, von den Franzosen unter Marquis de Cameras genommen und zerstört; die Ruinen lieferten später das Material zu einer grossen Stadterweiterung, durch welche die Wilhelmstrasse, die schönste Strasse der Stadt, und später die Marktstrasse ent- standen.
Der Bruder jenes Grafen Johann war Wilhelm, welcher 1533 auf dem Schlosse geboren wurde und 1544, als ihm durch Erb- schaft von seinem Vetter Renatus das Fürstentum Orange im süd- lichen Frankreich an der Rhone zufiel, sich Prinz von Oranien nannte und Begründer der Linie Nassau-Oranien wurde. Als Schöpfer und Vorkämpfer der Freiheit der Niederlande ist er es, der über


