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der Kirche bei Wu. Brosius, Obergasse 1, den Schlüssel geben zu lassen. Die hohen Umfassungsmauern umschliessen den Burghof und den zweistöckigen Palas, dessen Räume wohl erhalten, resp. wiederhergestellt, aber nicht möbliert sind. Aus der Südmauer springt der starke Bergfried vor, welcher in seinem oberen Teile etwas schwierig zugänglich, eine pracht- volle Aussicht auf Stadt und Thal bietet Die Burg wurde wahrscheinlich von Otto, dem Sohne des Landgrafen von Hessen, Heinrich I., 1293 erbaut. Aelter ist die Stadt, deren zuerst im Jahre 1240 Erwähnung geschieht, deren Schicksale aber im Mittelalter mit denen des Schlosses identisch sind. Gegen Ende des 30 jährigen Krieges wurde sie von Kaiser- lichen geplündert und zum Teil verbrannt, 70 Jahre später legte eine grosse Feuersbrunst einen Teil derselben in Asche; auch im sieben- jährigen Kriege hatte sie durch die Franzosen viel auszustehen. Des- halb hat sie ausser dem Schlosse kaum altertümliche Gebäude aufzu- weisen. 1866 wurde sie mit dem gan- zen Hinterland von dem Grossherzog- tum Hessen an Preussen abgetreten. Das vorwiegend ackerbau- treibende Städtchen, welches in den letzten 50 Jahren in seiner Bevölkerung nicht unbedeutend zurückgegangen ist— 1840 zählte es 3374 Einw.—, sucht sich in neuerer Zeit zu einem Luftkur- orte für Sommergäste auszubilden, wozu es durch seine schöne, wald- freiche Umgebung wohl geeignet n. A. v. W. lilsse Marburk. ist, besonders seitdem der unter Hessische Tracht. dem Vorsitz des Bürgermeisters 1895 ins Leben getretene Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs für gut gehaltene, mit Weg- weisern und Zeichen versehene Wege Sorge trägt. Besonderen Reiz gewähren für den Fremden die in der Umgegend von Bieden- kopf in ausserordentlicher Mannigfaltigkeit und Originalität erhaltenen Volkstrachten. Wer einmal Gelegenheit hatte, an einem Markttage die Frauen und Mädchen zu beobachten, welche die Erzeugnisse aus der Umgegend zum Verkaufe bringen, oder gar ein landwirtschaftliches Fest mitzufeiern, zu welchem die Bewohner des Breidenbacher Grundes und anderer Ortschaften der Gegend in ihrem besten Sonntagsstaate in der Kreisstadt zusammenströmen, wird sich dem Reize des an-


