Daneben gab es eine Reihe von wertvollen Stiftungen, die bis in die Zeit der Entrechtung nach besten Kräften versuchten, die schlimmsten Notstände zu lindern(48). Wenig bekannt dürfte sein, daß aus Gießen, Wieseck, Heuchelheim und 12 anderen Gemeinden des Kreises Gießen insgesamt 42 Juden im 1. Weltkrieg gefallen sind, darunter allein 14 aus Gießen(49).
Gemeindeleben im 20. Jahrhundert
UÜber die vielfältigen Aktivitäten im Gemeindeleben der Gießener Isra- eliten und ihr Engagement im sozialen Bereich in der Weimarer Repu- blik geben uns die Aufstellungen aus dem Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege von 1924/25 beredten Aus- druck: Danach gab es zu dieser Zeit in Gießen unter ca. 33 500 Ein- wohnern rund 1100 Mitglieder der beiden israelitischen Religionsgrup- pen, was einem Prozentanteil von 3,28 entspricht.
Die liberale israelitische Religionsgemeinde stand unter der religiösen Leitung von Provirzial-Rabbiner Dr. Sander. Ihrem Synagogenvorstand gehörten an: Moritz Strauss(als Vorsitzender), Adolf Bär, Ludwig Liebmann, Leopold Mayer und Siegmund Rosenbaum. Als Kantor und Lehrer fungierte Josef Marx, den Religionsunterricht an Volksschulen führte Lehrer Grünebaum, den an höheren Schulen Rabbiner Dr. San— der und Kantor Marx durch.
Der Gemeinde waren folgende Vereinigungen unterstellt: 1. Israelitischer Hilfsverein(rd. 100 Mitgl.) Vors.: Dr. Daniel San-
der
2. Israelitischer Beerdigungsverein(rd. 150 Mitgl.) Vors.: Ludwig Bock
3. Israelitische Casino-Gesellschaft(rd. 110 Mitgl.) Vors. Jakob Heilbronner
4. Synagogengesangverein(rd. 40 Mitgl.) Vors.: Isidor Berliner
Im lockeren Sinne angeschlossen an die Gemeinde betrachtete sich die Gießener Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdi- schen Glaubens(rd. 150 Mitgl.) unter ihrem Vorsitzenden Hermann Hammerschlag.
Die seit 1923 als öffentliche Gemeinde staatlich anerkannte orthodoxe israelitische Religionsgemeinschaft stand unter der religiösen Leitung des Provinzial-Rabbiners Dr. Hirschfeld. Ihrem Synagogenvorstand ge- hörten an: Alfred Fröhlich(als Vorsitzender), Sigmund Hirsch, Louis Wetterhahn und Sigmund Fuld. Als Kantor und Lehrer fungierte Bern- hard Klein.
Der Gemeinde waren folgende Vereinigungen unterstellt: 1. Israelitischer Hilfsverein
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