genommen, der Name des Ewigen sei gepriesen!“(Hiob, Kap. 1,21) (31).
Die große Zeit des Rabbiners Levi
Entscheidende Akzente über die positive Entwicklung der Gießener Ju- dengemeinde setzte zweifellos der Rabbiner Dr. Benedict Samuel Levi (1806- 1899), der von 1829- 1896 in Gießen tätig war.
Er war der Sohn des Rabbi Samuel Wolf Levi(geb. 1751 Worms, gest. 1813 Mainz), Mitglied der jüdischen Notabeln-Versammlung und des Synedrions(heb. Sanhedrin), eines hohen Rates des europäischen Ju- dentums, während der Herrschaft Napoleons eingesetzt. Als Rabbiner von Mainz 1806 bis 1813 hat er in dieser großen jüdischen Gemeinde am Rhein gewirkt. Sein Sohn Benedikt besuchte dort die Bürgerschule, lernte Latein und Griechisch und betrieb Talmudstudien. Ab 1825 be- suchte er 4 Semester lang die Universität Würzburg, hörte Vorlesun- gen in Philosophie, Geschichte und vervollständigte seine Kenntnisse der klassischen Sprachen.
1827 bestand er in Gießen die Reifeprüfung(ohne je ein Gymnasium besucht zu haben!) und promovierte 1828 zum Dr. phil.
Die Rabbinerstelle der inzwischen auf über 200 Personen angewachse- nen Judengemeinde in Gießen wurde ihm im Herbst 1829 übertragen; er versah sie bis zu seinem 90.(!) Lebensjahr; somit hat er 67 Jahre als Rabbi gelehrt(32).
Zwar wurde sein Sohn Hermann als befähigter Dirigent und Interpret Richard Wagners(!) bekannter und bedeutender, aber die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Gießen ist durch sein Leben und Wirken entscheidend geprägt worden, nicht zuletzt auch, weil in seine Amts-— zeit die allmähliche Durchsetzung der- wenn auch oft nur formalen— Emanzipation der Juden, aber auch das Aufleben einer neuen Juden- feindschaft, des politischen Antisemitismus, fällt.
In dem auch im deutschen Raum zunehmenden Streit zwischen der or- thodoxen Richtung des Judentums und den reformbereiten Kräften stellte er sich mit der Ablehnung wüber die Zulässigkeit des deutschen Choralgesanges mit Orgelbegleitung in der Synagoge“, die für ihre Zeit(1833) als ein mutiger Vorstoß bezeichnet wurde, mehr auf die Seite der Reformisten(33).
Eine spätere Streitschrift von Aron Rosenthal, die wahrscheinlich um die Jahrhundertmitte veröffentlicht wurde, mit dem Titel Das Pro- gramm der israelitischen Reformfreunde.gegen die Angriffe des Rab- bi Dr. Levi in Schutz genommen“ zeigt jedoch, daß er eine gewisse Position der Mitte und Vermittlung einzunehmen suchte(33).
374


