Katz und Löw Mayer erwähnt; ihnen folgte von 1827 bis 1829 der Rabbi Dr. Abraham Alexander Wolff, der danach als Oberrabbiner nach Kopenhagen ging. Bereits 1825 war ein israelitischer Männer- und Frauen-Krankenverein gegründet worden- man bedenke, über zwei Jahrzehnte vor dem Beginn christlicher Diakonie unter Wichern und 60 Jahre vor den Anfängen umfassender staatlicher sozialer Hilfe in den 80er Jahren.
Die junge Gemeinde baut sich einen eigenen Friedhof
Bis zum Jahre 1836 beerdigten die Israeliten Gießens ihre Toten auf einem weiträumigen Begräbnisplatz in Großen-Linden. Dort durften auch die folgenden jüdischen Gemeinden ihre Toten bestatten: Garbenteich, Großen-Linden, Heuchelheim, Kirchgöns, Langgöns, Leih- gestern, Pohlgöns, Steinbach, Watzenborn-Steinberg und Wieseck.
Die Oberaufsicht über diesen Friedhof war dem Vorsteher von Kirchgöns übertragen, der seinerseits als Unteraufseher den Flurschüt- zen von Großen-Linden einsetzte.
Trotz dieser Beaufsichtigung kam es nach 1828 zur Verwüstung der Friedhofsumzäunung und zur Beschädigung von Grabdenkmälern. Dar- aufhin wandte sich der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde in Gießen an den Stadtvorstand mit der Bitte, Gelände für einen ei- genen Friedhof zur Verfügung zu stellen. Im Jahre 1835 gelang es, ein ca. 2 000 qm großes Gelände auf dem Alten Friedhof zu erwerben. Die Gesamtanlage kostete 1 600 Gulden und wurde am 4. November 1836 mit der Beerdigung eines 83jährigen Mannes seiner Bestimmung übergeben.
Dieser alte israelitische Friedhof am Nahrungsberg bzw. an der Licher Straße war schon zu Beginn unseres Jahrhunderts fast vollständig be- legt. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung konnte aber auf dem 1903 eröffneten Neuen Friedhof am Rodtberg nordöstlich des bis da-— hin belegten Geländes eine Fläche erworben werden, auf der etwa 1050 Grabstätten vorgesehen waren. Heute liegt der jüdische Teil ch- ne besondere Abgrenzung inmitten des christlichen Friedhofs.
Die Übergabe der israelitischen Abteilung des städtischen Friedhofs fand am 18.2.1808 statt. Schon im September 1907 wurde das für die jüdische Gemeinde bestimmte Friedhofsgebäude fertiggestellt. Der in neuromanischem Stil nach den Plänen und unter der Leitung von Stadtbaumeister Gerbel errichtete Neubau enthält im südlichen Teil eine Trauerversammlungshalle von 70 qm; sie ist durch eine überwölb- te Vorhalle mit dem nördlichen Anbau verbunden, in dem sich drei Leichenzellen, zwei Räume für die Leichenwache und die rituelle Be- handlung befinden. UÜber dem Hauptportal am südlichen Giebel stand in hebräischer Sprache:"Der Ewige hat's gegeben, der Ewige hat’s
373


