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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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Allein meine Bereitschaft, nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage die- sen Vortrag im Rahmen der einleitenden Festversammlung zu Ihrem 1100. Geburtstag übernommen zu haben, möge dafür stehen, daß ich den Anspruch als wahrscheinlich und damit auch als berechtigt anse- he, die Urkunde von 886 für die erste schriftliche Erwähnung der Siedlung Hausen zu halten.

Zu diesem Ergebnis kommt zwar auch das Gutachten des für unsere Gegend zuständigen und als historische Autorität anerkannten Staats- archivs in Darmstadt, doch halte ich es für geboten, die Gründe für diese Auffassung hier und heute noch einmal in der vom zeitlichen Rahmen und dem allgemeinen Verständnis gebotenen Kürze darzulegen.

Schon Karl Glöckner hatte in einer Erläuterung zu seinem Lorscher Urkundenbuch darauf verwiesen, daß der Ortsname Garwardeshusen nicht nur auf eine frühe Hausensiedlung hindeutet, sondern wegen sei- ner Seltenheit auch deswegen mit Sicherheit, wie er es ausdrückte, zu lokalisieren ist, weil unser benachbartes Garbenteich in dem 12. Jahr- hundert als"Garwartseich in der urkundlichen Überlieferung begeg- net. Als aber Garbenteich gegründet war, konnte für die nahe Rodung des 9. Jahrhunderts das"Garwardes als überflüssig entfallen, ein Vorgang, der bei manchem der heute noch bestehenden ca. 50 Hau- sen-Orte im deutschsprachigen Raum nachgewiesen ist.

Verstärkt wird die UÜberzeugung, daß die Anfänge des Dorfes Hausen bereits in der Karolingerzeit des 9., vielleicht sogar schon des 8. Jahrhunderts zu suchen sind, von zwei gesicherten Feststellungen.

Zum einen hatte schon Karl Glöckner darauf hingewiesen, daß die Rodungen im großen Wiesecker Wald, der sich vom Lumdatal im Nor- den bis fast zum Landrücken im Süden erstreckte, bereits lange vor der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts Schiffenberg begonnen hatten. Er stützte diese Erkenntnis auf die Tatsache, daß in den Schiffenberger Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts- ob gefälscht oder echt, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle- als Neuro- dung der hochmittelalterlichen Siedlungsperiode nur die Dörfer Stein- bach, Garbenteich, Watzenborn und Steinberg sowie die später wüst gewordenen Dörfer Cothen, Erlebach und Fronebach genannt werden, aber die frühen Rodungsdörfer Annerod, Konradsrode(die Wüstung nördlich von Garbenteich) und unser Hausen unerwähnt bleiben.

Die Tatsache, daß Hausen ebenso wie Annerod, das durch karolingi- sche Scherbenfunde als altes Dorf ausgewiesen ist, zu den Orten des alten Zentgerichts Hüttenberg gehörte, unterstützt nach Auffassung Glöckners auch die Annahme, daß die frühen Rodungen im Wiesecker Wald von der Wetterau, also von Süden aus, erfolgten.

Die verdienstvollen Forschungen des uns allen bekannten Otto Stumpf haben dies überzeugend bestätigt. Er hat in seinem Aufsatz Die Be

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