gen Generalfeldmarschall des kaiserlichen Heeres, von Hindenburg, auf, um, wie der kaiserliche Großadmiral von Tirpitz, der ihn zur Kandida-— tur bewegte, sagte, ich zitiere:"“keinen Republikaner an die Spitze des Reiches zu lassen.“ Um diesen Vertreter der alten kaiserlichen Ordnung, von dem Otto Braun, der preußische Ministerpräsident, nach einem Antrittsbesuch bei ihm sagen mußte, er sei erschreckt über die völlig unpolitische Einstellung und geistige Schwerfälligkeit des 78jährigen, war ein Heroentum aufgebaut worden, das zwar seinen wirklichen Fühigkeiten und Leistungen keineswegs entsprach, aber da- mals dazu dienen konnte, als Magnet im Präsidentenwahlkampf zu wir-— ken. Derselbe HIndenburg, der seit 1916 mit Ludendorff die militäri- sche Verantwortung und damit auch die Verantwortung für die Nie— derlage trug, der bei der Rückfrage am 11. Nov. 1918, ob man den Waffenstillstand abschließen soll, geäußert hat, weiterer Widerstand sei sinnlos, aber er würde den ehrenvollen Untergang einem schmach- vollen Frieden vorziehen, der sich dann im Juni 1919, als es um die Annahme des Versailler Vertrages ging, verleugnen und Groener für sich antworten ließ, der im November 1919, wie ich bereits er— wähnte, die schlimme Dolchstoß-Legende in die Welt setzte, er wird nun für gut befunden, in die verfassungsrechtlich mächtige Stellung des Reichspräsidenten gewählt zu werden. Er wird gewählt mit einer relativ knappen Mehrheit von 900.000 Stimmen, nachdem eine bei- spiellose Propagandaschlacht unter der Regie des Pressezaren Hugen- berg vorangegangen war. Hugenberg, 1891 Mitgründer des Alldeutschen Verbandes, Reichstagsabgeordneter der Deutsch-Nationalen Partei, ihr Vorsitzender von 1928 an, Initiator der Harzburger Front von 1931, kontrollierte schon damals mindestens 2/3 der deutschen Presse und besaß die UFA.
Das deutsche Volk hatte sich mit 48,3% der abgegebenen Stimmen für einen Ersatzkaiser entschieden, nachdem ihm das echte Kaisertum von den alliierten Siegern verboten worden war. Es erscheint wider- sprüchlich und ist doch nur die Konsequenz aus den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen der damaligen Zeit, daß die 3,7% der bayerischen Volkspartei, der katholischen Schwesterpartei des Zen- trums, den Ausschlag für Hindenburg gab. Diese klerikal konservative Partei hatte ihre Anhänger, die im 1. Wahlgang immerhin über 1 Mio. Stimmen auf die Beine gebracht hatte, aufgefordert, lieber den pro- testantischen Preußen und Monarchisten Hindenburg zu wählen als den rheinischen Katholiken, Republikaner und intelligenten Zentrumsführer Dr. Marx.
Noch mehr als das Preußentum haßten die bayerischen Reaktionäre die Republik. Mit diesem schwachen unpolitischen Präsidenten, einem Vertreter der alten Mächte und der alten Ordnung, geriet die Repu- blik nach einer vorübergehenden Phase der Konsolidierung in die 1929 von den USA ausgehende Weltwirtschaftskrise. Solange die Konjunktur
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