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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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delt, die an je einem Tag von 1 Uhr bis 6 Uhr unterrichtet wurden. Die eigentliche Gewerbeschule umfaßte einen Winterunterricht in 3 Semestern.

Nach dem Tod von Kommerzienrat Heyligenstaedt 1911 übernahm Prof. Dr. Krausmüller den Vorsitz im Aufsichtsrat der Schule, die seit 1913 unter den Namen: Großherzogl. Gewerbeschule- Bauschule kunstgewerbliche Fachschule und gewerbliche Fortbildungsschule in den städtischen Adreßbüchern erscheint. Am 6. April 1913 feierte die Ge- werbeschule Gießen unter Direktor Traber ihr 75jähriges Bestehen.

Der erste Weltkrieg warf die Schule in ihrer Entwicklung zurück, ein Teil des Schulgebäudes diente als Lazarett, teilweise wurden Kriegs- beschädigte umgeschult. Der Unterricht aber wurde in begrenztem Umfang weitergeführt.

Schon bald nach Kriegsende wurde die Schulleitung dem Dipl.-Ing. Bünnings übertragen, der ab 1919 eine 4semestrige Maschinenbauabtei- lung aufbaute und der Schule angliederte.

Ab 1921 nahm die Anstalt den Namen Staatliche Gewerbeschule Gie- gen an, und in einer Ubersicht der Bildungseinrichtungen werden die folgenden Zweige und Abteilungen aufgeführt: Bauschule, Maschinen- bauschule, kunstgewerbliche Abteilung, Schreinerfachschule, Töpfer- fachschule, gewerbliche Fortbildungsschule, Lokomotivführerfachschule, Eisenbahnwerkmeisterschule und Eisenbahnerschule.

Dem Direktor Rudolf Bünnings wurde der Titel Gewerbeschulrat ver- liehen.

Als technische Lehrer standen ihm zur Seite die Herren Becker, Hammel, Leichner, Nieß, Schuchardt, Schuchmann, Thielo, Welkoborsky und Wilke.

Als sonstige Lehrer fungierten Albach, Appel, Bert, Haggenmüller, Hebermehl und Simon; sie waren hauptamtlich an anderen Schulen- tig.

Eine Lehrwerkstätte unterstand dem Schreinermeister Heinrich Lehr- mund, Hausverwalter war Jakob Koch.

Trotz der harten Inflationszeit nahm die Schule einen beständigen Aufschwung, der sich vor allem mit der wirtschaftlichen Konsolidie- rung der Weimarer Republik seit 1924 verstärkte.

Im Jahre 1925 wird die Schule erneut umbenannt und heißt jetzt: Staatliche Gewerbe- und Maschinenbauschule der Stadt Gießen. Erst- mals werden Elektrokurse angeboten und Elektrotechnik gelehrt. Der Lehrkörper umfaßte inzwischen 16 hauptamtliche Kräfte, neben denen 6 weiterhin den allgemeinbildenden Unterricht bestritten. Außerdem standen 4 Meister den Lehrwerkstätten vor. Die Schülerzahl belief

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