Erst als die alten und engen Unterrichtsräume die steigenden Schüler- zahlen beim besten Willen nicht mehr fassen konnten, entschloß sich der Lokalgewerbeverein im Jahr 1907 zum Neubau, für den die Stadt Gießen das Grundstück Kirchstraße 16 als Bauplatz kostenlos zur Ver— fügung stellte.
Nach zjähriger Bauzeit konnte das Haus in der heutigen Georg-Schlos- ser-Straße(damals Kirchstraße) bezogen werden. Maßgeblichen Anteil an der Verwirklichung dieses Neubaues hatte der Gießener Fabrikant Ludwig Heyligenstaedt, der 1876 am Riegelpfad eine Maschinenfabrik gegründet hatte und der seit 1895 den Vorsitz im Orts-Gewerbeverein innehatte.
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Reue Gewerbeſchuld
Schulhaus in der Kirchstraße 16("Gewerbe-Haus“) Unterkunft der Schule 1908- 1929
Heyligenstaedt, zeitweilig auch Beigeordneter der Stadt Gießen und von 1903- 1907 Abgeordneter der Nationalliberalen im Deutschen Reichstag für den Wahlkreis Gießen-Nidda, stiftete eine beträchtliche Summe für den Schulbau; das Gießener Handwerk und die inzwischen gewachsene Industrie trugen ihren Anteil ebenfalls bei, so daß die feierliche Einweihung am 26. Juli 1908 erfolgen konnte.
Im Jahre 1909 erfolgte die Einführung der staatlichen Abgangsprüfung. Der Lehrplan wurde erweitert und in eine gewisse Verbindung zu den Baugewerkschulen gebracht. Vom 8SS 1912 ab wurde die Sonntags- Zeichenschule mit Wochentagsunterricht in 3 Abteilungen umgewan-
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