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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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auf die Meisterprüfung vorbereiten. Der Schulleiter Traber war nicht nur im Vorstand des Ortsgewerbevereins, sondern auch Vorsitzender der Meisterprüfungskommission für die Provinz Oberhessen. Diese Per- sonalunion gewährleistete eine enge Zusammenarbeit zwischen Hand- werk und Schule und wirkte sich für beide Bereiche positiv aus.

In einem Schulbericht aus dem Jahre 1906 wird uns von 80 Schülern in der erweiterten Handwerkerschule und von 250 Besuchern der Sonn- tagsschule berichtet. An der Schule wirkten damals 3 Architekten, 2 Zeichen- und Gewerbelehrer, 4 technische Lehrer und 1 Volksschul- lehrer. Das Schulgeld betrug im WS 50 Mark, im 8S 40 Mark, die Sonntags-Zeichenschule kostete pro Monat 70 Pfennig.

Die Leitung der Schule ging 1892 von August Hug auf den Baumeister Traber über, dem in den 90er Jahren meist 8, nach der Jahrhundert- wende 10 Lehrer unterstanden. Sie hatten noch keine einheitliche Ausbildung, kamen vielmehr aus unterschiedlichen Berufen, unter ihnen waren Architekten, Bautechniker, Bildhauer, Zeichenlehrer und natür- lich auch Lehrer von allgemeinbildenden Schulen.

Die Schule selbst wurde unter Trabers Leitung reorganisiert, mit dem Ziel, daß der Abschluß des Schulbesuchs auch den Abschluß der Aus- bildung bringen sollte. So wurden schon im Herbst 1892 zwei aufstei- gende Abteilungen gegründet, denen ein Jahr später die dritte folgte. Darstellende Geometrie, Material- und Werkstoffkunde, Baukunde und Konstruktionslehre bildeten die Hauptfächer.

Die Abendkurse in den fortbildenden Fächern wurden allerdings 1894 aufgegeben, da die Teilnahme nachließ. Dagegen stieg der Besuch in der Sonntagsschule stark an, so daß hier zunächst 5, später sogar 7 Abteilungen bestanden.

Auch die Erweiterte Handwerkerschule hatte wachsenden Zustrom, vor allem an Maurern und Zimmerleuten, so daß die Räume im Asterweg aus den Nähten platzten.

Aus einer gedruckten"Denkschrift der Großherzoglichen Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbeverein über die Wirksamkeit und die Ziele dieses Vereins vom Dezember 1890 hören wir Näheres über den Zustand der"Erweiterten Handwerkerschule des Ortsgewer- bevereins Gießenn.

Hier berichtet für den Vorstand des Ortsgewerbevereins der Vorsit- zende August Heß:

Mit der raschen Zunahme der Schülerzahlen in den ersten 1 1/2 Jahrzehnten(1876= 114, 1880= 125, 1885= 180, 1890= 236) erga- ben sich personelle und räumliche Schwierigkeiten, die sich noch durch eine wachsende Finanznot vergrößerten. Sowohl die"uEnge der Schullokale als auch der Geldmangel, der die Anstellung weiterer

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