Der Verein warb nun verstärkt in der Öffentlichkeit für die Schule, u. a. durch Ausstellungen der Schülerarbeiten, durch Vorträge und Auf- rufe in den Lokalzeitungen, von denen es schon damals mehrere gab.*
prof. Hugo v. Ritgen, seit 1874 Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität, engagierte sich jetzt noch einmal sehr stark in dem von ihm mitbegründeten und über vier Jahrzehnte mit Rat und Tat beglei- teten Lokalgewerbeverein und übernahm 1878 dessen Vorsitz, den er bis zu seinem Tod beibehielt.
Nunmehr ging es der vergrößerten Schule um bessere Räumlichkeiten, wie aus einer Eingabe hervorgeht, die Ritgen unmittelbar nach seiner Amtsübernahme an die Bürgermeisterei richtete. Hier heißt es wört- lich:
„Der geehrten Mitteilung der Großherz. Bürgermeisterei vom 11. Janu- ar d. J. zufolge hat die Versammlung der Stadtverordneten in ihrer Sitzung vom 12. Dezember v.J. beschlossen, in dem dem Lokal-Gewer- beverein überlassenen Lokale in der Weidengasse die beantragte Her- stellung der Gasleitung auszuführen. Die bereits hieran begonnenen Arbeiten sind aber in unerwarteter Weise unterbrochen worden und dem Vernehmen nach soll selbst die fernere Überlassung jenes Lokals an den Gewerbeverein wieder in Frage gestellt sein und über diese Frage morgen Beratung stattfinden.
Der Vorstand des Lokalgewerbevereins und der Handwerkerschule er- laubt sich daher, der Stadtverordnetenversammlung vorzustellen, wie sehr durch eine solche fortwährende Ungewißheit über eine Lebensfra- ge alle Zwecke der Vereine und alle Bemühungen für die Fortbildung der Handwerker und die Erweiterung der Handwerkerschule gerade in dem Augenblick, wo diese eröffnet worden ist, vereitelt werden. Die Zurückziehung dieses Lokales von seiten der Stadt ist geradezu der Untergang des Vereins und seiner Schulen, welche ebenso wichtige Schulen sind, wie jede andere städtische Schule. Während alle anderen Städte Deutschlands für die Hebung des Gewerbestandes durch Fortbildungsschulen der Handwerker große Opfer bringen und während unsere Stände die Erteilung der Summen für Lehrergehalte an den erweiterten Handwerkerschulen von der Überlassung der geeigneten Schullokale durch die Städte abhängig gemacht haben, kann doch die Stadt Gießen nicht wollen, daß die kaum eröffnete Schule hier aufge- hoben und in eine andere Stadt verlegt werde.
Der unterzeichnete Vorstand des Gewerbevereins bittet daher im Na-— men des Vereins um fernere Überlassung des Lokals in der Weiden-— * So erschien der Gießener Anzeiger regelmäßig seit 1868 und von 1881 bis 1890 ein Blatt stark konservativer Prägung, die „Oberhessischen Nachrichten“.
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