In den ersten 4 Jahrzehnten ihres Bestehens erlebte die Handwerker- schule ein ständiges Auf und Ab, immer abhängig von der jeweiligen ökonomischen Situation oder den politischen Zeitläufen, die ja beson- ders Ende der 40er und durch die Kriege Ende der 60er Jahre sehr unruhig waren. Von Einfluß waren dann die bereits geschilderten Ent- wicklungen in der Landeshauptstadt. Die Verlegung der Ingenieurwis- senschaften nach Darmstadt und die Einrichtung der Technischen Hochschule dort hatten auch für Gießen die Fronten klar abgesteckt. Man wußte nunmehr im Vorstand des Lokalgewerbevereins, daß man die Fortentwicklung der technischen Bildung aus eigener Initiative un- ter Mithilfe der Stadtverwaltung betreiben mußte. Noch immer hatte man kein eigenes Gebäude, häufig wechselnde Lokalitäten waren nicht gerade sehr förderlich; auch das Gesicht des Lehrpersonals- nicht fest angestellt- veränderte sich öfter, als es einem geordneten Lehr- betrieb zuträglich ist.
Im Winter 1877/78 wurde die Anstalt in eine"Erweiterte Handwer- kerschule“ umgewandelt und ein hauptamtlicher Lehrer angestellt.
Prof. Hugo von Ritgen in Gießen(um 1875)
staltete und Gießen damals zu einem bedeutenden Zentrum der Präzisionsmechanik(Herstellung feiner Waagen) geworden ist, was der noch jungen gewerblichen Bildung zweifellos erhebli- chen Auftrieb gegeben hat.
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