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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Der eigentliche Anstoß zur Gründung der Gießener Schule kam von dem Baumeister und Hofkammer-Rat Hofmann, der bei Ausführung von Bauwerken 1837 erfahren mußte, daß die Handwerker kein Ver- ständnis für Zeichnungen hatten. Unter maßgeblichem Einfluß des sog. Landesgewerbevereins in Darmstadt wurde der eigentliche Unter- richtsbetrieb bereits am 14. Januar 1838 mit 28 Schülern eröffnet.

Der Landesgewerbeverein trug zunächst die sachlichen und personellen Kosten der Schule. Nach Gründung des Lokalgewerbevereins Gießen im Jahre 1841 übernahm dessen Vorstand die Leitung und sorgte für Un- terrichtsräume in einigen Bürgerhäusern.

Der Unterricht war anfangs auf technisches Zeichnen beschränkt und fand an Sonntagen statt.

Auf Anregung des Gießener Schlossermeisters Burkhardt entstand im Jahre 1842 eine Abendschule, für deren Besuch ein Schulgeld erhoben wurde. Beide Zweige wurden 1846 vereinigt, wobei der Zeichenunter- richt an Sonntagen beibehalten wurde, während an den sechs Abenden der Woche Rechnen, Geometrie(Flächen- und Körperberechnung), Materialienkunde, Naturlehre und Buchführung auf dem Lehrplan stan- den. Die Stadtverwaltung hatte inzwischen die Bedeutung der*Hand- werkerschule erkannt und stellte ihre Schulhäuser zur Verfügung (Schulstraße und Weidengasse), doch die eigentliche Triebkraft blieb der Lokalgewerbeverein, der über die Betreuung der Schule hinaus durch Vorträge auch die allgemeine Bildung der Bevölkerung in tech- nischen Fragen förderte.

Vermiſchte Nachrichten. Local-Gemerb-Verein. Haupt⸗Verſammlung der hieſigen Localſection des Gr. Gewerb⸗ Vereins naͤchſten Samſtag den 10. 1. M., Nachmittags präcis 6 uhr, Vortrag des Herrn Profeſſors Dr. v. Ritgen uͤber: franzöſiſche und deutſche Induſtrie. Gießen den 5. October 1846. Der Vorſtand.

So sprach beispielsweise am 10. Oktober 1846 in der uhiesigen Local- section des Gr. Gewerbevereins Prof. Dr.v. Ritgen über Französische und deutsche Industrieu. Die Stadt war noch klein, der Redner und wohl auch der Verein so bekannt, daß man in der Zeitungsanzeige den Ort der Veranstaltung nicht zu nennen brauchte.*

* Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß der Lokalgewerbever- ein schon 1844 eine"Permanente Industrie-Ausstellung veran-

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