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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Mit diesem landesherrlichen Beschluß konnte der Unterricht in technologischen Fächern an der Universität Gießen beginnen, zunächst mit dem Lehrbeauftragten Dr. Blumhof.

Schon im nächsten Jahr, im Herbst 1818, wiederholt Dr. Blumhof sein Gesuch um UÜbertragung einer Professur. Wieder kam es im akademi- schen Senat zu unterschiedlichen Gutachten. Die Entscheidung war schwieriger geworden, weil inzwischen dem bisherigen Pädagoglehrer Zimmermann eine außerordentliche Professur für Chemie und Mineral- ogie, als Vorläufer von Liebig, am 6. Juni 1818 übertragen wurde. Fast gleichzeitig war am 5.7.1817 Gg. Gottl. Schmid zum Professor für Naturlehre ernannt worden.

Die ablehnenden Außerungen der zur Stellungnahme aufgeforderten Senatsmitglieder waren in der Mehrheit; eine Minderheit von Professo- ren wies in einer Denkschrift vom 13.12.1818 noch einmal eindringlich auf die Fähigkeiten des Antragstellers Blumhof und auf die Bedeutung der von ihm vertretenen Fächer hin.

Hier heißt es u. a.:

.Nun bedürfe es aber keiner Erwähnung, daß Blumhof einen aner- kannten Ruf als Gelehrter besitze, daß er manche Sprachen verstehe, die vielleicht niemanden hier bekannt seien, und daß er in manchen Disziplinen, wie namentlich in der Technologie, in der Eisenhüttenkun- de, auch wohl in der Mineralogie vorzügliche Kenntnisse besitze. Ebenso sei es bekannt, daß einige dieser Fächer hier gar nicht besetzt seien und daß es insbesondere für die so einflußreiche Technologie zu wünschen wäre, daß sie von einem darin vollkommen erfahrenen Mann zum Gegenstand seiner Bestrebungen als Lehrer gemacht würde.

In ähnlicher Anerkennung der Wichtigkeit des Lehrstuhls der Techno- logie sei vor nicht langer Zeit Poppe in Frankfurt ausschließend für dieses Fach nach Tübingen berufen worden, und es erschien hiernach an sich wünschenswert, daß Supplikant(Antragsteller) für die Akade- mie gewonnen werde.

Es spricht für den Weitblick der großherzoglichen Regierung in Darm- stadt, daß sie diesem"Minderheitenvotumt folgte und sich nicht den teils sehr eigensüchtigen, teils sehr ängstlichen Argumenten der Mehr- heit der Senatsmitglieder beugte.

So wurde am 9. Januar 1819 die außerordentliche Professur für Tech- nologie, Eisenhütten- und Bergwerkskunst an der Universität Gießen eingerichtet und Dr. Blumhof mit der Wahrnehmung der Stelle beauf- tragt.

Im Großherzogl. Hessischen Regierungsblatt Nr. 18 vom 18. Oktober 1819 erscheint im Vorlesungsplan für das WS 1819/20:

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