Es gab bis dahin in Deutschland im wesentlichen 3 Schultypen. Klo- sterschulen oder Lateinschulen als Vorläufer der Gymnasien, die vom Bürgertum geschaffenen Stadtschulen und die vom Landesherrn einge- richteten und von der Kirche beaufsichtigten Landschulen. Hinzu tre- ten seit dem Einsetzen der Industriellen Revolution die Armenschulen für Kinder aus dem Proletariat und in der 2. Hälfte des 19. IJh. die vom Staat eingerichteten Industrieschulen für angehende"Industriear- beiter“ und die von der Kirche unterhaltenen Sonntagsschulen.
Im Jahre 1825 wurde dann die erste polytechnische Schule Deutsch- lands in Karlsruhe gegründet, der ähnliche Einrichtungen u.a. in Dres- den, Darmstadt, Hannover, München, Nürnberg, Stuttgart und Aachen bald folgten. In diesen Ausbildungsstätten entwickelten sich die ei- gentlichen technischen Disziplinen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauwesen u. a. m.
Schon 4 Jahre zuvor war in Berlin durch Peter Christian Beuth(die Beuth-Schule ging in der 1971 gegründeten TFH Berlin auf) das Berli- ner Gewerbeinstitut gegründet worden, das die Aufgabe hatte, für die Industrie des Maschinenbaus Ingenieure auszubilden. Dieses Institut stand mit 2 anderen neugegründeten Instituten in Verbindung: mit dem"Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen“ und mit der Technischen Deputation für das Gewerbe“. Der Verein, von Beuth nach dem Vorbild der engl."Society of Arts“ ins Leben geru— fen, war- wie ähnliche Vereine in anderen deutschen Staaten- ge- schaffen worden, um die gewerbliche Weiterentwicklung auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen. Diese Vereine regten Projekte an, wurden bei den Regierungen gehört und gaben eigene Nachrich- tenblätter heraus. Demgegenüber stand die Technische Deputation“ der Regierung näher. Sie sollte einerseits die Regierung beraten, an- dererseits bei der Entwicklung von Industrie und Gewerbe durch ent-— sprechende Anregungen und Maßnahmen mitsprechen. Das Zusammen- wirken der 3 Institutionen erbrachte eine wirksame staatliche Gewer-— beförderung.
Auf dieser Linie entstehen neben den polytechnischen Anstalten die Gewerbeschulen in den deutschen Ländern, denen ebenfalls sogenannte Gewerbevereine zur Seite treten und ihnen ideelle und materielle Un- terstützung geben.
Wenden wir uns nunmehr dem deutschen Mittelstaat zu, dem die Stadt Gießen seit 1604 angehörte, der früheren Landgrafschaft, seit 1806 dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Die Verhältnisse in Hessen-Darmstadt
In der Landeshauptstadt Darmstadt war bereits 1812 für die Handwer- ker-Weiterbildung eine Bauschule gegründet worden; sie ging 1822 in
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