meisten Techniker- frei von staatlicher Einwirkung-— als einfache Arbeiter begannen, sich autodidaktisch weiterbildeten und mit Ge-— schick und Zähigkeit- oft unter größten persönlichen Opfern- ihre umwälzenden Erfindungen machten.
Während jedoch in Frankreich und vor allem in England Technik und Ingenieurwissen niemals als Eindringling oder Fremdling in der bürger— lichen Gesellschaft angesehen wurde, sondern vor allem bei den Briten ein gewaltiger Respekt vor jener Tatkraft spürbar ist, die Naturge— walt nutzbar macht, zeigte man in Deutschland wenig Neigung, die soziale Ebenbürtigkeit von Technikern anzuerkennen und dem indukti- ven Wissen die gleiche Wertschätzung wie dem deduktiven Wissen zu- zugestehen. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein wurden hier Rang, äußere Ehren und Stellung in der Gesellschaft hergeleitet aus den Grundpfeilern der vier traditionellen Fakultäten an den Universitäten, Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie.
Die Herstellung sozialer Gleichrangigkeit in einer Gesellschaft, die sich durch eine besonders hohe Wertschätzung von Bildung auszeichne-— te, war nur zu erreichen durch eine Verbesserung und Aufwertung der Ausbildungsstätten für die technische Intelligenz. Dies aber war in Deutschland ein langer und beschwerlicher Weg, der sich über fast ein Jahrhundert erstreckte und erst um 1880 mit der formellen Gleich- stellung von Technischen Hochschulen und Universitäten einen vorläufi- gen Abschluß fand.
Diese Entwicklung steht natürlich in untrennbarem Zusammenhang mit den technischen Erfindungen, die insbesondere seit der Mitte des 18. Jh. die Mechanisierung von Arbeitsprozessen ermöglichten und damit jene umwälzende Veränderung der Produktionsweisen einleiteten, die man allgemein als Industrielle Revolution bezeichnet. Mit der Um- wandlung der manufakturellen Produktion zum Fabriksystem einher ging eine grundlegende Veränderung der vorindustriellen Gesellschaft, und damit kam es auch- wenn auch ungleich langsamer- zu einem veränderten Bewußtsein hinsichtlich der Wertschätzung und vor allem der Notwendigkeit wissenschaftlich untermauerter technischer Bildung.
Zwar kam es schon vor dem Beginn der Industriellen Revolution in Deutschland zur Einführung von höherem technischen Unterricht in den Bergakademien von Berlin, Clausthal und Freiberg, doch betraf dies nicht den(Berg) Maschinenbau, sondern Geologie und Wineralogie.
Erst mit der Gründung der polytechnischen Schulen im ersten Drittel des 19. Jh. wurde auch in Deutschland der durch das Fortschreiten der Industriellen Revolution bewirkten Entwicklung Rechnung getragen. Der Tradition und dem deutschen Wesen entsprechend gehen hier die wesentlichen Impulse vom Staat aus, der Naturwissenschaft und Tech- nik als wesentliches Movens der wirtschaftlichen Entwicklung sieht.
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