SCHIFEFENBERG UND GIESSEN IM LAUFE DER AHRHUNDERTE
Aufsatz aus: „Der Schiffenberg- Die Geschichte eines Berges-. Seine Siedlungen und seine Kirche“, Hrsg.: Magistrat der Stadt Lahn, Gießen 1979
Gründung im 12. Jahrhundert
Wenn in einer Abhandlung über die Beziehungen zweier Orte weder die Größe noch das Alphabet die Reihenfolge der Nennung bestimmen, so ist dies sowohl eine Verbeugung vor dem"Jubilar“ als vor allem auch das Vorliegen des für eine historische Betrachtung immer be-— deutsamen höheren Alters. Denn als am 17. Juni 1129 Clementia, Gräfin von Gleiberg und Witwe Konrads I. von Luxemburg, ihre Stif- tung für ein Augustinerkloster am Altar der erzbischöflichen Kirche in Trier niederlegte und so die geistliche Geschichte des Schiffenbergs begründete, war in der Lahnebene um das versumpfte Wieseckdelta von Burg und Stadt Gießen noch nichts zu sehen. Wir können vielmehr heute mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, daß auf Grund der aus-— gezeichneten topographischen Lage der Schiffenberg bereits lange vor der Gründung des Klosters besiedelt war und eine strategische Anlage trug, die mindestens bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Dies haben die Grabungsfunde des letzten Jahrzehnts deutlich erwiesen. Ebenso si- cher ist, daß die siedlungsfeindliche Landschaft einer Flußniederung, die überdies von regelmäßigen Überschwemmungen bedroht war, erst verhältnismäßig spät menschlicher Bebauung zugänglich gemacht wer- den konnte. Der Ursprung der Stadt Gießen, eine kleine Wasserburg auf einem hochwassersicheren Areal im Wieseckdelta, darf neueren Forschungen zufolge der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zuge- rechnet werden. Zu dieser Zeit aber war die junge Klosterniederlas- sung bereits aufgeblüht und verfügte durch kleinere und größere Land- schenkungen schon über einen umfangreichen Besitz.
Die gemeinsame Wurzel
Man mag es als Zufall ansehen, doch ist es ein Beweis für die enge, nicht nur räumliche, sondern auch historische Verflechtung von Schif-— fenberg und Gießen, daß die erste überlieferte Erwähnung des Namens Gießen in einer Urkunde geschieht, in der Propst Harpert und der Convent des Augustiner-Chorherrenstifts mit Abt Mengot und dem Convent der ebenfalls jungen Zisterziensersiedlung Arnsburg(gegr. 1174) einen Vertrag über den Tausch von allodialen Gütern schließt. In diesem Vertrag, der im Jahre 1197 geschlossen und im Jahre 1203 noch einmal bestätigt wurde, fungiert als Zeugin die Gräfin Salome
245


