Partei er 1869 gründete. Oder wenn ich daran danke, wie blamabel es vor wenigen Jahren in diesem Saal anläßlich der Straßenbenennung gewesen war, als nur einer von über 50 gewählten Stadtverordneten etwas anzufangen wußte mit Karl Follen, jenem Freiheitskämpfer aus den Reihen der(Gießener Schwarzen!, der schon 1824 wegen der Metternichschen Demagogenverfolgung Gießen verlassen und nach Amerika auswandern mußte.
Dies alles muß Anregung und Aufruf zugleich sein, die zurückliegenden 100 Jahre dieses Vereins nicht wohlgefällig und selbstzufrieden zu überschauen, sondern kritisch zu prüfen, welche Formen der Arbeit den Erfordernissen der Zeit entsprechen, welche anderen modifiziert oder ergänzt werden müssen.
Im Sinn des Anspruchs, wie ihn der im Grundgesetz verankerte Rechts- und Sozialstaat nach Gustav Heinemann an die Traditionspfle- ge und das daraus erwachsende Geschichtsbewußtsein stellen sollte, haben wir im OHG- so darf ich mit einiger Berechtigung sagen— bereits unsere Aufgabe erkannt und können auch auf einige bemer- kenswerte Beiträge verweisen. Aus den beiden letzten Jahrzehnten mö- gen ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige der Arbeiten genannt werden, die jene oben angesprochenen neuen Akzente zu setzen versu- chen, um damit dem gesellschaftspolitischen Auftrag dieses Ge- schichtsvereins gerecht zu werden:
So
— der"Oberblick über die politischen Kräfte und das Wählerver- halten im Kreis Gießen von 1900 bis 1960“;
- der grundlegende Aufsatz von Heinrich Schmidt über die Verän- derungen in Gießens Innenstadt durch den 2. Weltkrieg;
— Paul Krügers Untersuchung über die freiheitlich-demokratischen Bestrebungen von Studenten und Bürgern im Vormärz.
- Hierher zählt auch die Veröffentlichung der Petitionen aus Oberhessen an die Deutsche Nationalversammlung von 1848;
—- ebenso die ausgezeichnete Arbeit Kurt Immelts über Georg Büchners Hessischen Landboten' und seine Bedeutung für die revolutionäre Bewegung des Vormärz in Hessen.
- Die systematische Darstellung des politischen Antisemitismus im oberhessischen Raum während des Kaiserreichs.
— Siegfried Röschs Erlebnisbericht zur Gießener Bombenkatastro- phe oder
- die engagierte Buchbesprechung Erwin Schmidts zur Geschichte der Stadt Lauterbach;
- Rüdiger Macks Judenexamina an der Universität Gießen vor 1800 und
— die Dokumentation zur Gießener Judengemeinde und ihres Schicksals nach 1933.
242


