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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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Ein Baustein zur Geschichte der demokratischen Bewegung ist Ulrich Seelbachs sorgfältig recherchierte Untersuchung über die Arbeiter- und Soldatenräte in Stadt und Kreis Gießen und

- Friedrich Wilhelm Weitershaus hat mit seiner anerkannten Lieb- knecht-Biographie diesem großen Sohn der Stadt und Pionier der Arbeiterbewegung ein dankenswertes Denkmal gesetzt.

- Schließlich hat unser Ehrenmitglied Otto Stumpf mit seinem dreibändigen Lebenswerk, dem"Gießener Familienbuchn, bei- spielhaft nachgewiesen, daß Familienforschung mehr ist als Ah- nenpaß oder Nachweis edler Herkunft. Er hat den Menschen, den einfachen Bürger unserer Stadt, wie er im 16.-18. Jahrhun- dert bei uns gelebt hat, vor unseren Augen plastisch erstehen lassen.

In Zusammenarbeit mit dem FB Geschichte der Justus-Liebig- Universität und dem Stadtarchiv fördert der OHG eine seit vie- len Monaten laufende Arbeit eines jungen Historikers, in der die soziale Lage der Einwohnerschaft Gießens im 17./18. Jahr- hundert untersucht wird, ein wichtiger Beitrag zur Sozialge- schichte der Benachteiligten.

Um aber nicht immer nur auf die eigene Schulter zu klopfen: Unser unmittelbarer Nachbar, der Wetzlarer Geschichtsverein, brachte vor einigen Jahren die vorbildliche Arbeit Ulrich Maiers über das Eindrin- gen des Nationalsozialismus in die Stadt Wetzlar heraus, und z.2Zt. liegt uns eine ähnliche wichtige Arbeit zur Prüfung vor, die unter- sucht, wie der Faschismus die Universität Gießen erobert hat.

Volksbildung und gesellschaftspolitischer Auftrag, wie ich sie Ihnen zu schildern versuchte, sollten Ihnen die Zielsetzung eines Geschichtsver- eins in unserer Zeit klarlegen. Manche anderen Bereiche und Arbeits- vorhaben mußten ausgespart bleiben, so daß einiges unzulänglich, ja unbefriedigend erscheinen mag. So wurde beispielsweise die wichtige Rolle der Geschichtsvereine im Kampf der Gesellschaft um mehr Le bensqualität durch die Bewahrung nicht nur der natürlichen, sondern auch der kulturellen Umwelt nicht angesprochen.

Gleichwohl glaube ich, Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Her- ren, einen Einblick gegeben zu haben in unsere Arbeit als Geschichts- verein- einer von vielen im Lande- und ich hoffe, ich konnte Ihnen deutlich machen, wo nach meiner Ansicht unsere Aufgaben und unsere Verpflichtung liegen.

Hermann Heimpel, der große Göttinger Gelehrte unseres Jahrhunderts, hat 1963 in seiner Betrachtung über Geschichtsvereine gemeint:"Es wird so bleiben, daß die Versenkung in die Geschichte der Heimat ein Bedürfnis vornehmlich älterer Bürger ist.

In einem beachtenswerten Vortrag über Nostalgie und Politik in der Geschichte von Geschichtsvereinen' kommt Dieter Kramer 10 Jahre

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