schutz umwehren lassen. Gleichzeitig stattete er seine Stadt mit einer großzügigen"Entwicklungshilfeu aus, in dem er ihr einen Großteil des ihm eigenen"Wiesecker Waldesu zum Nutzen der Bürger und Burg-— mannen zur Verfügung stellte. Es liegt nahe anzunehmen, daß das Ei- chenholz für das Fachwerk dieses Hauses diesem stadtnahen Markwald entstammte. Die Lebensfähigkeit der Stadt Gießen und ihrer Men-— schen, ihre wirtschaftliche Situation ist bis in die Neuzeit von ihrem Waldreichtum bestimmt worden.
Landgraf Heinrich I. sorgte auch dafür, daß durch die Ansiedlung ei- ner ständigen Besatzung, der Burgmannschaft, Gießens politische Be- deutung zunahm. Neben den rein militärischen Aufgaben hatten die Burgmannen doch auch vielfältige Funktionen als Träger und Vertreter der landesherrlichen Hoheitsrechte. Sie rekrutierten sich zum größten Teil aus dem niederen Adel der näheren und weiteren Umgebung, dörflicher Adel, der im eigenen Ort meist keine feste Burg haben durfte, aber im Schutz der Stadtmauer gern einen Burgsitz einnahm. Daneben gab es auch den Landadel mit Niedergerichtsbarkeit und ei- genem Burgsitz wie die Herren von Buseck, von Nordeck und von Dernbach, die als Burgmannen in Gießen überliefert sind.
Zu den Burgmannen, die ja nicht alle auf Dauer in Gießen wohnten, sondern oft nur in Fehdezeiten ihre im Schutz der Mauer gelegenen Sitze aufsuchten, aber mußten die Bürger treten, die ständigen Ein-— wohner, die der Stadt erst ihr eigentliches Gepräge gaben. Es sind Kaufleute, Handwerker und diverse Bedienstete, die sich ansiedeln und sowohl äußerer wie innerer Zwang beflügeln die folgende Entwicklung.
Auf der einen Seite beobachten wir seit dem Beginn des 14. Jahrhun- derts eine anhaltende Agrarkrise, die dem wirtschaftlichen Aufstieg des Bauerntums ein Ende machte. Gleichzeitig geht der Landausbau zu Ende, die Rodungen hören auf, der Siedlungsrückgang beginnt. In die- ser spätmittelalterlichen Wüstungsperiode werden viele Siedlungen ver- lassen, zahlreiche Fluren nicht mehr bestellt, die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringert sich erheblich.
Die Ursachen sind regional und strukturell unterschiedlicher Natur, doch kann im Fall des Aufgehens von Dörfern in der Stadt Gießen ein sanfter Druck des Stadtherrn, des Landgrafen, angenommen werden, der die Landbevölkerung der unmittelbaren Umgebung ja nicht nur mit dem Hinweis auf die größere Sicherheit hinter den Mauern, sondern auch mit dem rechtlichen Aspekt der Freiheit der Stadtluft anlocken konnte.
Während Ursenheim(in der Nähe des Eulenkopfs) und Achstatt(in der Nähe der Sandfeldschule) vielleicht schon in der frühmittelalterli- chen Wüstungsperiode verlassen worden sind, haben wir schriftliche Zeugnisse dafür, daß Bewohner von Kroppach(am östlichen Ortsrand
228


