Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
206
Einzelbild herunterladen

Lollar, Daubringen, Mainzlar und Ruttershausen, außerdem ursprünglich wohl auch Odenhausen, Salzböden und Wißmar umfaßte. Dafür erhielt Nassau den halben Anteil am Dorf Großen-Linden, das ohnehin, vom gemeinsamen Hüttenberg fest umklammert, für Hessen von minderer Bedeutung war. Dagegen war der Mitbesitz an Kirchberg für die Landgrafen als Brücke von ihrem südlichen Vorposten, der Exklave Gießen, zum Marburger Land wichtig, zumal die Nassauer hier eine Burg errichtet hatten, die von Hessen zwischen 1368 und 1371 gebro- chen worden war.

Werfen wir nun abschließend einen Blick auf die territorialen Verän- derungen im südlichen Kreisgebiet, wo 1255 die Falkensteiner das Er be der Herren von Hagen-Münzenberg angetreten und das Gebiet um Lich, Hungen und Butzbach gegen verschiedene Miterben behauptet hatten.

Trotz erfolgversprechender Ansätze und einer partiell klugen Vertrags- politik gelang es den Falkensteinern aber nicht, ihre Erbschaft in der nördlichen Wetterau zu einem geschlossenen Territorium auszubauen. Die Teilung des Herrschaftsbereiches in eine Butzbacher und eine Li- cher Linie und die ständigen Auseinandersetzungen mit den anderen Erbberechtigten, vor allem den Herren von Hanau, verhinderten einen stärkeren Machtausbau. So wurde der eigentliche Mittelpunkt des Fal- kensteiner Gebiets, die mächtige romanische Feste Mürzenberg, in gewisser Weise dadurch neutralisiert, daß sie Gemeinschaftsbesitz ge- worden war: Die beiden Türme des weithin die Ebene überragenden Wetterauer Tintenfasses zeigen uns diese Situation bis zum heutigen Tag. Schwerpunkte der Falkensteiner Herrschaft in unserem Raum blieben die Städte Lich, Hungen, Laubach und Butzbach, ohne aber zu einem geschlossenen Machtfaktor zu werden.

Als 1418 der letzte Falkensteiner starb, fiel die reiche Erbschaft an die Herren von Eppstein und die Grafen von Solms, die ihrerseits mit mehreren angeheirateten Familien weiterteilen mußten. Da jedoch die uns interessierenden Gebiete sämtlich an die Solmser fielen, können wir uns auf deren weitere Entwicklung beschränken.

Die Solmser Grafschaft, die bis dahin ihre Herrschaftszentren in Braunfels und Burgsolms südlich und in Königsberg und Hohensolms nördlich der Lahn gehabt hatte, konnte sich in den schwierigen Feh- dezeiten des 14. Jahrhunderts zwischen mehreren Mächten eigentlich nur dadurch behaupten, daß sie sich in deren widerstrebende Interes- sen je und dann geschickt einschaltete und sie wenn nötig- ge- geneinander ausspielte. Diese vier Herrschaften, die Landgrafen von Hessen, die Grafen von Nassau-Weilburg und von Nassau-Dillenburg und die Reichsstadt Wetzlar engten sie andererseits so ein, daß sie sich in ihrem Ursprungsgebiet kaum entfalten konnte.

206