Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen

hessischen Landgrafen zunächst nicht so erfolgreich, ihre Macht durchzusetzen. Sie mußten vielmehr 1233 die starke Bergfeste Stau- fenberg, die ursprünglich vom Kloster Fulda zu Lehen ging, den Zie- genhainer Grafen überlassen, die diesen wichtigen Besitz bis zu ihrem Aussterben(1450) sichern konnten. Für eine weiterführende Territo- rialbildung allerdings konnte der Staufenberg als Einzelpunkt ebenso- wenig nützen wie die Dörfer des Gerichts Rodheim/Horloff, die als Bestandteil der alten Grafschaft Nidda gegen Ende des 12. Jahrhun- derts in Ziegenhainer Besitz gekommen waren.

Das Spätmittelalter(bis 1550)

Die politische Geschichte unseres engeren Untersuchungsgebietes im Spätmittelalter ist im wesentlichen bestimmt von der Auseinanderset- zung um die Durchsetzung der Landeshoheit zwischen den beiden mächtigen Gegenspielern: den Erzbischöfen von Mainz und den hessi- schen Landgrafen. Daneben ist das Bestreben zu verzeichnen, daß be- nachbarte Grafschaften wie die der Nassauer, der Ziegenhainer und der Solmser ihre Herrschaftsgewalt ausweiten und im Gebiet des Kreises sich festzusetzen versuchen. Schließlich ist der Versuch zu verfolgen, den die adligen Gerichtsherren z.B. im Lumdatal und im Busecker Tal unternehmen, um die drohende Unterwerfung unter die Landeshoheit der Landgrafen abzuwenden.

Ohne uns in Einzelheiten zu verlieren, die den Zusammenhang zerrei- ßen und manche Entwicklungen unverständlich erscheinen lassen könnten, dürfen jedoch die wesentlichen Veränderungen des späten Mittelalters nicht übersehen werden.

Das 14. Jahrhundert ist- genau wie das vorangegangene 13. Jahrhun- dert- erfüllt von dem durchaus noch nicht entschiedenen Kampf zwi- schen Mainz und Hessen um die Landeshoheit, der vor allem auch un- sere Gegend kräftig durchschüttelte. Dieser Streit hat seine Spuren allenthalben im heimischen Land hinterlassen: Ob wir dabei an den denkwürdigen und lokalgeschichtlich interessanten Frieden von Langs- dorf(10.9.1263) erinnern, ob wir die spätmittelalterlichen landgräfli- chen Warttürme(so z.B. bei Grünberg) ansehen, an die unscheinbaren Reste verlassener Siedlungen denken oder schließlich hören, daß in dieser Auseinandersetzung auch Gießen einmal für kurze Zeit an Mainz verlorenging(1327) und anschließend vom Stadtherrn, dem hessischen Landgrafen, viele Jahre verpfändet werden mußte, all das bringt uns eine fehdenreiche, bewegte Zeit ins Gedächtnis, wenn auch betont werden muß, daß die schwereren Kämpfe jener Zeit im nördlichen Hessen stattfanden.

Dabei gelang es den hessischen Landgrafen, sich trotz vielfältiger Schwierigkeiten nicht nur gegen Mainz zu behaupten, sondern auch im

203