Eine weitere wichtige Nord-Süd-Straße, die Straße durch die"kurzen Hessen“, kam von Frankfurt, bog bei Friedberg nach Nordosten ab, passierte Hungen und Grünberg, streifte den Nordwestabhang des Vo- gelsbergs und erreichte über Hersfeld bei Vacha(Thür.) die große Ost-West-Verbindung.
Die bedeutendste Querverbindung, die"Köln-Leipziger“ oder auch Rheinische Straße“, ist zugleich die einzige größere Straße, die in dieser Richtung unseren Raum berührte. Dieser Fernweg führte von Trier und Koblenz über den Westerwald nach Herborn, kreuzte die Weinstraße im Krofdorfer Forst(Nähe Frauenkreuz), überquerte die Lahn bei Odenhausen/Kirchberg, um auf den Höhen östlich Staufen- berg in mehreren Strängen nach Osten zu eilen.
Neben diesen großen Verkehrsadern gab es natürlich eine Menge von lokalen Verbindungslinien, die aber gleichwohl ihre spezifische Bedeu- tung für den jeweiligen Raum hatten. Ausbau und Sicherung der gro-— ßen Straßenzüge waren für die Festigung der fränkischen Herrschaft nach Einführung der Grafschaftsverfassung ebenso wichtig wie später die Errichtung und Behauptung fester Plätze an diesen Hauptstraßen für die Territorialbildung im 12./13. Jahrhundert, so beispielsweise wie in unserem Kreisgebiet die Konsolidierung der hessischen Herrschaft durch den Erwerb der Burgen Grünberg(1186), Nordeck(vor 1254) und Gießen(1264/65).
Die christliche Mission
Hand in Hand mit dem Ausbau der staatlichen Verwaltungsorganisa-— tion, der bis weit ins 11. Jahrhundert von den Amtsgrafen der deut- schen Könige und Kaiser im Namen des Reichs durchgeführt wurde, ging die Missionierung unserer Gegend.
Im Jahre 721 hatte Bonifatius auf der damals schon fränkisch besetz-— ten Amöneburg die Christianisierung Hessens begonnen, und die ihm folgenden Wissionare orientierten sich meist entlang der alten Stra- ßBen. Bereits um die Mitte des 8. Jahrhunderts sind bei uns die ersten Kirchen gebaut worden; von der dem heiligen Michael geweihten Kir- che in Wieseck und der jüngst ausgegrabenen Wüstungskirche Hausen bei Lich wird uns aus dem Jahre 778 berichtet. Andere Pfarreien, wie 2z.B. die von Großen-Linden, Grüningen und Kirchberg dürften ebenfalls karolingisch sein.
Durch das Gebiet unseres Kreises zieht sich die Missionsgrenze der Diözesen Trier und Mainz. Während der Trierer Erzbischof der Lahn- straße aufwärts folgend über Wetzlar bis ins Gebiet um Gießen predi- gen ließ und dabei auch die alte Hundertschaft des Hüttenbergs ein- schloß, hat das Mainzer Archidiakonat des Propstes von St. Stephan die christliche Kirche in den übrigen Teilen des Kreisgebiets organi- siert.
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