Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen

Wesentlich wichtiger für unsere Betrachtung ist die Beschreibung des Burgfriedensbezirks Badenburg:

von der alten stück Mauer, da das Gleserloch instehet an, bis in die Mühl mit ihrem Zubehör, und widder von der obersten Ecken an der Mühlen bis uf die Ecke an Junker Henrichs Haus und dann von der gemelten Ecken ahn, stracks hinter Junker Henrichs Viehhaus und hin- den herumb ahn seiner Scheuwern her zwischen Hansens Hofraith und Junker Baltzers alt Haus here bis uf sein Junkers Baltzers Saustall und von gemelten alt Stück Mauer, da das gleserloch instehet, dieser Zirk und dann die Schafscheuer so af dem Berg steht ist allweg zum Burg frieden gerechnet und aus der Wißmarer Mark mit notwürdig Bauholz versehen worden...

Johann Wolf v. Weitolshausen gen. Schrautenbach ließ 1605 den Was- ser- und Mühlenbau erneuern. 1680 nahm die Mühle durch Eisgang und Wasserfluten erheblichen Schaden, wurde aber unter großen Kosten wieder repariert.

Zu Beginn des 18. Jh. hatte eine Linie der v. Schrautenbach den Müh- lenbetrieb und den Hof inne und besaß das Obermärkeramt über den Wißmarer Markwald, während die andere Linie die Burgmänner(zu Gießen) stellte. Doch schon 1727 übernahm der hessen-darmstädtische General Ludwig v. Weitolshausen gen. Schrautenbach wieder den ge- samten Besitz Badenburg. Er ließ die Mühle unter großem Kostenauf- wand und mit Hilfe seines Holzrechts im Wißmarer Markwald wieder in Gang setzen. Mit seinem Tod 1738 geht die Herrschaft der Schrau- tenbacher auf der Badenburg zurück. Wir hörten schon, daß das Hof- gut mit rd. 115 Morgen Land, der Schäferei und dem Wald 1752 an die Gemeinde Wieseck verkauft worden war.

Die Mühle wurde um dieselbe Zeit von den Erben des"Generals an einen Müller namens Stamm verpachtet, an den auch die erhaltenen Reste der Burggebäude abgetreten wurden. Er eröffnete den bereits erwähnten Wirtschafts- und Schankbetrieb. Inzwischen muß auch die Mühle in den Besitz der Gemeinde Wieseck übergegangen sein, denn diese verkaufte am 31.3.1812 die Badenburger Mühle für 11500 fl an die Gemeinde Wißmar. Aber auch Wißmar verkaufte die Mühle wieder, und nach mehrmaligem Besitzwechsel erwarb sie 1839 der Gießener Hofgerichtsadvokat Dr. Sundheim, der vor dem Gericht in Atzbach ei- nen jahrelangen Prozeß gegen die Gemeinde Wißmar um die Holzliefe rungspflicht führte. Schließlich wurde entschieden, daß Wißmar wohl Holz zur Mühlenunterhaltung, nicht aber zum Wasser- und Wehrbau zu liefern hätte. Im Jahre 1856 löste die Gemeinde Wißmar auch diese Holzlieferungspflicht mit 1620 Talern ab.

1876 wurde die Mühle von der Fa. Drescher und Simon erworben und zu einer Farbmühle umgebaut. Die schönen Fachwerkbauten, wie sie noch der bekannte Stahlstich von 1840 zeigt, wurden durch unansehnli-

180