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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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che Neubauten ersetzt. Am 12.7.1883 begannen hier die Zoellner-Wer- ke(vormals C. H. Cohn) aus dem Wiesecker Ocker Farben herzustellen. 1887 wurde sie erneut umgebaut und vergrößert. 1893 vernichtete ein Brand alle Anlagen, die aber schon im nächsten Jahr wieder aufgebaut wurden. Zuletzt umfaßte die Anlage 8 Gebäude, die weiter im Besitz der Zoellner-Werke, Berlin-Neukölln, blieben und 14 Arbeiter beschäf- tigten. Am 1.8.1929 wurde das Werk in Wieseck stillgelegt und wegen des besseren Rohmaterials nach Bayern verlagert. Das Wasser zerstör- te allmählich die Stauanlagen, deren letzte Reste noch vor wenigen Jahren zu sehen waren. Die Mühlengebäude wurden im Jahre 1938 ab- getragen, und heute haben die Wiesecker und Wißmarer Wildwasser- sportler hier ihre Trainingsstrecke.

Bliebe abschließend ein Wort zu sagen zu den kirchlichen Verhältnis- sen: Die Badenburg hatte eine eigene Kapelle, die aber 1646 von schwedischen Truppen zerstört wurde. Die Badenburger Herren hatten sowohl in Kirchberg(Hessen) als auch in Wißmar(Nassau) einen ei- genen Kirchenstuhl, in Wißmar sogar ein Erbbegräbnis. Dort übten sie seit 1633 auch das Patronatsrecht aus. Mit dem Übergang von Burg und Gemarkung Badenburg an Wieseck im 18. Jh. kam es zwischen Hessen und der nassauischen Regierung zu Streitigkeiten, da diese die Rechte der Wißmarer Pfarrer verteidigte. So blieb die kirchliche Zu- gehörigkeit der Badenburg zu Wißmar noch bis 1817 bestehen. Erst nachdem 1815 Wißmar preußisch geworden war, wurde der Wiesecker Pfarrer zuständig. Dieser Streit um die kirchliche Zugehörigkeit zwi- schen dem Großherzogtum Hessen und dem Herzogtum Nassau war zweifellos ein später Ausfluß ehemaliger Lehensrechte der Nassauer an der Badenburg, die bis 1679 nachweisbar sind. Die Badenburger Mühle gehörte sogar bis 1870 zur Pfarrei Wißmar.

Quellen und Literatur

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 166/167.

Staatsarchiv Marburg, Lehnsurkunden und Reverse.

Wolfgang Müller: Die althessischen Amter im Kreis Gießen, Marburg 1940, S. 95 f.

Wilhelm Schnorr: Die Badenburg bei Gießen, inHeimat im Bildu, Beilage des Gießener Anzeigers Jg. 1930, Nr. 43 v. 23.10.1930.

Wilhelm Schnorr:"Altes u. Neues von der Badenburg, in Hessische Heimat, Beilage der Gießener Allgemeinen Zeitung Jg. 1961, Nr. 20 u. 24 v. 30.9. u. 25.11.1961.

Carl Walbrach: Badenburg, Gießen 1930.

Carl Walbrach: Die Badenburg, in MOHG 34. Bd./1937, S. 218 f.

Erwin Knauß: Gemarkungs- und Allmendentwicklung in Gießen, in MOHG Bd. 47/1963, S. 1 ff.

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