wicklungen lagen(im Sinne des"“Wenn..., dann...“), sondern vielmehr in dem Versuch, durch die Betrachtung bestimmter Feilbereiche menschlicher Existenz der Vergangenheit geschichtliches Bewußtsein wieder lebendig zu machen, ein Bewußtsein, das durch die furchtbaren Katastrophen des 20. Ih. verschüttet worden ist. Denn Geschichtsbe- wußtsein ist Voraussetzung dafür, daß sich gesellschaftliches Be— wußtsein entwickelt, wie es für die Bewältigung der Bedrohungen un- serer Zeit unabdingbar notwendig geworden ist.
Hier stellt sich sofort die Frage der Auswahl, wenn man sich das Ziel steckt, in der knappen Stunde eines Festvortrags über Grundfragen menschlichen Zusammenlebens zum Nachdenken anzuregen. Es ist selbstverständlich, daß eine solche Betrachtung nicht an der Entwick- lung Wiesecks vorbeisehen kann, daß sie Vorgänge und Ereignisse des lokalen Geschehens mit hineinzunehmen hat, wollen wir uns nicht dem Vorwurf aussetzen, zum richtigen Thema am falschen Ort gesprochen zu haben.
Andererseits sollte man sich darüber klar sein, daß die Zeit gemütvol- ler Feierstunden mit Lobreden und Schönfärberei nach dem Rückfall in die Barbarei des Faschismus und unter dem Damoklesschwert von Wasserstoffbombe und Umweltzerstörung der Vergangenheit angehören muß. Der Festredner zu historischen Anlässen, dessen Denken und Ur— teilen immer auch zeitgeschichtliche und damit politische Relevanz haben sollte, kann ein Mittler zwischen Vergangenem und Künftigem sein, wenn er ernsthaft und beharrlich nach den Folgen forscht, die diese oder jene Entwicklung für das gesellschaftliche Zusammenleben hatte bzw. in Zukunft haben wird.
Ich möchte aus der Fülle der sich anbietenden Nöglichkeiten zwei fundamentale Bereiche menschlicher Existenz und Kommunikation her-— ausgreifen, die geeignet erscheinen, uns an einem solchen Tage nach- denklich werden zu lassen, aus der historischen Entwicklung unser We-— sen, vielleicht auch unseren heutigen Standort besser zu erkennen und die für die Zukunft notwendigen Konsequenzen in unser Bewußtsein einfließen zu lassen:
Diese Bereiche sind: Der Mensch und die Kirche
Der Mensch in Staat und Gesellschaft
Ich beginne mit dem Verhältnis des Menschen zur Kirche, weil uns die UÜberlieferung Wiesecks zuerst damit konfrontiert: Die frühen Ur— kunden- die beiden von 775 und die von 778- stehen in unmittelba- rem Zusammenhang mit dem christlichen Glauben, der kirche und dem frühmittelalterlichen Klosterwesen.
Zunächst schenken zwei Schwestern aus dem in unserer Gegend herr— schenden Hochadelsgeschlecht der Rupertiner ihren nicht unbeträchtli- chen Landbesitz dem Benediktinerkloster Lorsch- 764 gegründet und
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