Nicht so sehr die Herkunft als vielmehr die Erziehung im Kadetten- korps des Kaiserreiches und die Teilnahme an den Freikorpskämpfen haben das Leben dieser beiden Angeklagten geprägt und vorbestimmt. Mit den neuen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Weimarer Republik wurde man nicht fertig, der Gefahren des Aus-— uferns nationalistischer Strömungen und Bewegungen war man sich nicht bewußt und wurde so zum Wegbereiter der Katastrophe, die im Mai 1945 endete.
Die furchtbare Konsequenz dieses Ausgangs hat der Dritte im Bunde der Bad Nauheimer Verschwörer, Ernst Casimir Schwing, erleben müs- sen. Obwohl frühes Mitglied der Hitlerpartei(1926), blieb er nach der Machtübernahme in untergeordneter Funktion, ein typischer Mitläufer, der dann den Krieg in russischer Gefangenschaft beendete, aus der er todkrank zurückkehrte, viel zu spät, um das schwere Leiden noch aus-— zukurieren, an dem er bereits 1953 starb.
helm Heinz gehörte seit 1925 bis zu dessen endgültiger Auflö- sung(1934) hauptamtlich zum usStahlhelm“, lange Zeit als Schriftleiter und immer im engsten Kreis um Seldte. Nach der Verkündigung der allgemeinen Wehrpflicht(1935) ließ er sich reaktivieren und stieß zur Abwehr unter Admiral Canaris. Wäh- rend des unterbliebenen Putsches(1938) sollte er auf Befehl General v. Witzlebens Hitler in der Reichskanzlei durch einen Stoßtrupp festnehmen lassen, hatte aber persönlich den festen Vorsatz, ihn dabei zu töten.(Siehe dazu auch Joachim C. Fest, Hitler(Propyläen Verlag Frankfurt, Berlin, Wien 1973), S. 772 f., der von einer"Verschwörung in der Verschwörung“ spricht). Heinz blieb im Kreis um Canaris und befehligte von 1941 bis 1943 das legendäre 4. Regiment Brandenburg“, das mit Sonder- aufgaben und Geheimkommandos betraut war.(Siehe dazu Her- bert Kriegsheim,"Getarnt, getäuscht und doch getreuu- Die geheimnisvollen Brandenburger“(3. Aufl. Bernard und Graefe- Verlag Berlin 1959)). Da Heinz zum weiteren Kreis des Wider- standes zählte, wurde er nach dem 20. Juli 1944 vorübergehend verhaftet, mußte aber mangels Beweises wieder freigelassen werden. Einer erneuten Verhaftung Anfang November 1944 ent- ging er von Freunden rechtzeitig gewarnt- durch Untertau- chen in Berlin, wo er von Familien seiner Regimentsangehörigen versteckt wurde. Seine eigene Familie kam in getrennte Sippen- haft. Nach dem 2. Weltkrieg war Heinz von 1951 bis 1954 in der Abwehrabteilung des Amtes Blank“ an leitender Stelle tä- tig. Seitdem lebte er als Oberstleutnant a. D. im Ruhestand, zu- nächst in Hahn bei Wiesbaden, zuletzt in Bad Nauheim, wo er am 26.2.1969 starb.- Vgl. auch oben Anm. 79a.
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