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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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rarisch kaum genügenden Werkes- überschrieben Freiheit- kommt Heinz auf den Fememordprozeß in Gießen zu sprechen, den er zum Hochverratsprozeß umfunktioniert, in dem er in offensichtlich über- triebener und sehr zweifelhafter Darstellung eine kleinliche Rache an Staatsanwalt Weidemann nimmt und ihn persönlich verunglimpft. Diese diffamierende Publikation hat noch einmal die Behörden beschäftigt, aber weder Oberstaatsanwalt noch Justizminister konnten sich zu ei- nem Strafantrag entschließen79,79a. Weidemann jedoch schrieb auf Grund dieser Anwürfe Ende April 1931 jene- bereits erwähnte 18seitige, handschriftliche Stellungnahme zu diesen entehrenden An- schuldigungen des Heinz, ein Zeitdokument von seltener Eindringlich- keit, das den Lebens- und Berufsweg eines aufrechten Juristen schil- dert77. Staatsanwalt Philipp Weidemann, der schon 1928 wegen schwe-

Vors. im Nationalverband deutscher Schriftsteller, dessen 1. Vorsitz Franz Schauwecker innehatte.

79 Heinz wurde im Dritten Reich reaktiviert. Er war im 2. Welt- krieg Oberstleutnant. Er ist am 26.2.1969 im Alter von 69 Jah- ren in Bad Nauheim gestorben. Bei der Trauerfeier am 29.2. 1969 war sein Sarg mit der Reichskriegsflagge aus dem Jahre 1921(!) bedeckt. Kameraden der ehemaligen"Brigade Ehr- hardt, des uStahlhelmu, der"Abwehr des Admirals Canaris, des 4. Reg. Brandenburg gaben ihm- so die Danksagung das letzte Geleit.

79 a Von Friedr. Wilhelm Heinz wurde ein Bericht über seine Tätig- keit im 3. Reich verfaßt, der im Inst. f. Zeitgesch. in München deponiert ist.- Nach Heinrich Fraenkel/Roger Manvell, Canaris (Scherz-Verlag, Bern-München-Wien, 1969), S. 71 f. hatte Heinz, der 1936 zur Abwehr gestoßen war, im Sept. 1938 von Generalmajor Oster den Auftrag bekommen, mit einem Stoß- trupp aus ca. 30 verläßlichen jungen Offizieren, Studenten und Arbeitern Hitler zu verhaften u. an einen sicheren Ort zu brin- gen."Heinz, der Monarchist war, hoffte, daß diese Aktion, in der er eine führende Rolle spielen sollte, zur Ernennung von Prinz Wilhelm, dem Sohn des Kronprinzen, zum Regenten führen würde. Frau v. Salomon, geb. Liebe(Wetzlar, Brühlsbachstr. 33) u. ihr Mann, Horst v. Salomon(Baiersbronn, Köpflesweg 12), beide zum"Elgershausen-Kreis der Jahre 1921- 1923 gehöõ- rig u. Zeugen im Gießener Prozeß, berichten übereinstimmend, daß Heinz eine Führerpersönlichkeit mit stark ästhetischen- gen gewesen ist. Sie schildern ihn als Mensch mit humanem Charakter u. dem Hang zur Poesie, der zum Kreis von St. Ge- orge zählte. Als überzeugter Monarchist war er ein fanatischer Gegner Hitlers, was ihn in den Kreis um Canaris brachte. (Mündliches Gespräch Frau v. Salomon 18.10.73, Brief Horst v. Salomon v. 22.10.73). Vgl. weiter unten Anm. 106.

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