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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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zu dieser Zeit noch immer vermutet wurde, daß der damals ver schwundene Wagner nicht mehr am Leben sei. Von seiten der Staats- anwaltschaft stellte man sofort eine Untersuchung an, um die undich- te Stelle herauszufinden, was allerdings nicht gelang. Immerhin brach- te diese erste Presseverlautbarung sehr interessante weitere Einzelhei- ten zur Person Schwings, so u.a., daß er in Bad Nauheim im Jahre 1921 bereits für die flüchtigen Erzberger-Mörder Schulz und Heinrich Tillessen Geld sammelte und in Gesprächen oft useinen Kapitän Ehr- hardt" lobte. Wörtlich heißt es imHessischen Volksfreund unter der Überschrift Die Feme in Hessen 3³0:

Als Schwing noch in der Hupfeld-Diele in Bad Nauheim beschäftigt war, sammelte er Geld für die Erzbergermörder. Diese Sammelliste wurde auch einer Person vorgelegt, von der Schwing offenbar nicht wußte, daß sie der SPD angehörte. Das unerlaubte Sammeln Schwings kam zur Kenntnis der Polizei, die Liste wurde beschlagnahmt und Schwing mit 10 Mark Geldstrafe bestraft. Die Tatsache, daß für die vielgesuchten Mörder hier Geld gesammelt wurde, blieb bei der Be- messung des Strafmaßes außer Betracht. In Bad Nauheim hielten sich 2.Z. der politischen Morde auch die berüchtigten Kern, v. Salomon, Tillessen u.v.a., auch unter falschem Namen, auf. Mit diesen unter- hielt Schwing sehr innige Beziehungen31.

Diese Angaben werden aus den Akten bestätigt. Es ist aber sehr be- zeichnend, daß der Oberreichsanwalt in Leipzig eine Bestrafung Schwings nicht für möglich hält, da uin einer Sammlung für einen in Strafhaft befindlichen Mörder keine Verherrlichung oder Billigung des Mordes oder eine Belchnung dieser Tat gefunden werden könne.

Am 2.9.1926 meldete die Frankfurter Zeitung eine zweite Verhaftung im Fall Wagner: Der Hauptschriftleiter der damals gerade verbote- nen Zeitschrift Der Stahlhelm, Friedrich Wilhelm Heinz, war am 25.8.1926 in Magdeburg festgenommen und in das Gefängnis nach Butzbach eingeliefert worden. Heinz war von dem verhafteten Schwing beschuldigt worden, der Anstifter für die Ermordung des Wagner ge- wesen zu sein. Heinz, der zur umstrittensten Figur des ganzen Prozes- ses werden sollte, bestritt diese Anschuldigungen und bezeichnete sie als einen Racheakt des Schwing, den er einmal entlarvt habe, als er sich in rechtsgerichteten Kreisen als ehemaliger Offizier ausgegeben habe.

30 Hessischer Volksfreund, Organ für die Interessen des werktäti-

gen Volkes, Darmstadt 29. Juli 1926 Titelseite. 31 In Wirklichkeit waren es 100.- Mark Strafe- nur für Sammeln

ohne Erlaubnis-, aber auch das war bei der Inflation sehr we- nig! Ubrigens stellt der SPD-Mann damals fest, daß eine Reihe angesehener Bad Nauheimer Bürger ansehnliche Beträge in die Liste Schwings eingezeichnet hatten.

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