Kern plante. An einem bestimmten Platz prüften sie die Tiefe des Wassers(ca. 5 m) und sprachen auch von einem"Gewicht“, das als Waffe verwendet werden könne. Während Schwing dann wieder heim ging, holte v. Salomon zwischen 18 und 19 Uhr Kern und Wagner, die inzwischen aus Frankfurt gekommen waren, vom Bahnhof ab. Zuerst aß man zu dritt im Hotel Malepartus und begab sich danach in die Hupfeld-Diele', wo mehrere Flaschen Wein und Sekt getrunken wur-— den, die v. Salomon spendierte. Kurz nach 22 Uhr ging Kern zu Schwing auf dessen Zimmer, stellte sich ihm vor und begann unver- mittelt in häßlicher und verleumderischer Weise auf Wagner zu schimpfen: seine Erpressungen und sein Verrat müßten verhindert wer- den; ein Gericht oder eine Polizei gebe es dafür nicht. Da Schwing bereits durch Heinz für einen möglichen Mord wahrscheinlich motiviert war22, ging er bereitwillig darauf ein, als Kern ihn anwies, einen da- liegenden 10- 15 Pfund schweren Stein einzupacken und mitzunehmen!
Die Zecherei in der„Hupfeld-Diele’ dauerte bis gegen 24 Uhr; es kann angenommen werden, daß alle Teilnehmer reichlich animiert wa- ren. Vor allem Wagner sprach beständig über seine amourösen Ambi- tionen und wartete sehnlichst auf das Abenteuer, das man ihm in Aussicht gestellt hatte, als man ihn bewog, nach Bad Nauheim mitzu- fahren. Dann rief Kern zum Aufbruch. Unter Führung des ortskundigen Schwing machte man sich auf den Weg zur vorher ausgesuchten Stelle im Kurpark. Irgend jemand sprach von einem"verschwiegenen Bordell am Teich“. Es war stockdunkel und regnete. In unbestimmter Ferne blinkte ein Licht: scheinbar das Gesuchte!?3 Schwing, der den'Stein' unterm Arm trug, ging rund 20 Schritte voraus. Wagner, den Kern und v. Salomon in die Mitte genommen hatten, wurde an dem vorher ausgesuchten Platz plötzlich von hinten gepackt und zu Boden gerissen. Kern und v. Salomon schlugen mit stumpfen Waffen auf ihn ein. Da sich Wagner heftig wehrte, wogte der Kampf lange hin und her. Bei einem neuen Ansprung seiner Gegner ließ sich Wagner- anscheinend entkräftet- zu Boden fallen und stellte sich tot. Nun wies Kern den Schwing an, seinen Stein auszupacken und legte ihn dem Wagner zwi- schen Brust und aufgeknöpften Mantel. Nach Wegnahme seiner Papiere und seines Geldes schleifte man den Totgeglaubten“ zu dritt zum Teichgelände, hob ihn hoch und warf ihn ins Wasser. Dabei muß sich der'eingelegte“ Stein gelöst haben. Jedenfalls kam Wagner wieder in
22 Schwing war schon in Frankfurt— wahrscheinlich von Heinz— über den miesen Charakter’ Wagners instruiert worden und hat selbst den Vorschlag gemacht, die'Sache' in Bad Nauheim zu machen.
23 In der Ferne war tatsächlich ein undeutliches Licht auszuma- chen, das am Nauheimer Wasserbehälter brannte.
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