Der pädagogische Dienst des Archivars an der Gesellschaft durch Vorträge, breit gestreute Informationen, Zusammenarbeit mit der Presse und anderen Massenkommunikationsmitteln, Aus- stellungen und anderen Formen der Öffentlichkeitsarbeit.
Ich will nun versuchen, zu jedem dieser sieben Aufgabengebiete noch einige nähere Ausführungen zu machen, wobei ich bewußt auf die Ar-
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im Stadtarchiv Gießen während des vergangenen Jahrzehnts
abstelle, weil ich damit sowohl auf das methodische Vorgehen in der Vergangenheit eingehen als auch die Akzente nennen kann, die für die zukünftige Arbeit gesetzt werden sollten. Hierbei kommt es gelegent- lich zu Wiederholungen aus dem geschichtlichen Teil, die aber in die- sem Zusammenhang nur schwer vermeidbar waren.
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Wegen des akuten Raummangels sind Akten aus der laufenden Verwaltung bisher nur in Ausnahmefällen angenommen worden. Dagegen war in den ersten Jahren die Sichtung und Kassation von vorgefundenem Registraturgut eine der wichtigsten Tätig- keiten. Ein größerer Bestand jüngerer Akten(meist zurückge- setzte Registratur aus der Zeit nach 1945) ist wahllos aus Zeitmangel nach dem'numerus currens' aufgenommen worden. Eine eingehende Sichtung und Kassation hätte hier noch zu er- folgen. Die so frei werdenden Nummern können später durch Einstellen von archivreifem Schriftgut aufgefüllt werden. Mit dem Umzug des Stadtarchivs in neue, größere Räume wird die— ses archivreife Schriftgut durch die Abgabe aus den einzelnen städtischen Amtern stark zunehmen, und die Sichtung, Archivie- rung oder Ausscheidung(Kassation) wird einen wesentlichen Teil der Arbeit bilden.
Dabei bleibt die Frage der Kassation eine Grundfrage aller ar— chivarischen Tätigkeit. Was soll endgültig vernichtet werden? Können wir heute beurteilen, was in 50 oder 80 Jahren für Wissenschaft und Forschung von Bedeutung sein wird? Es gibt hier weder ein Patentrezept noch eine Faustregel, eher helfen schon große Erfahrung und ein gewisses Fingerspitzengefühl für Archivwürdigkeit im weitesten Sinne. Ein einfacher und gefahr- loser Weg wäre der, alles aufzuheben. Dazu aber lassen es die Massenakten der modernen Verwaltung nicht kommen: Eine Jahresrechnung der Stadt, die noch in den 20er Jahren in 8 bis 12 Bänden auf ca. 1 m untergebracht werden konnte, nimmt um 1960 bereits 25 bis 30 lfd. m auf Regalen ein. Khnliche Massen fallen bei den Sozial- und Ausgleichsämtern an. Sie zwingen zu einer Auslese, die in jedem einzelnen Falle eine schwere, verantwortungsvolle Entscheidung erfordert.
In Gießen konnte die Kassation von Akten bisher in Grenzen gehalten werden, einmal weil noch kaum Ablieferungen der Amter erfolgt sind, zum anderen, weil gegenwärtig der Maga-


