Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen

Zweck der Handbibliothek wird es sein, den im Stadtarchiv forschen den Besuchern als Präsenzbücherei zu dienen. Abgesehen von einigen übergreifenden Werken und Reihen(z.B. Gebhardt, Demandt, Lexika usw.) beschränken sich die Anschaffungen auf einen Raum, der von West nach Ost etwa von folgenden Städten begrenzt wird: Limburg, Dillenburg, Frankenberg, Ziegenhain, Lauterbach, Büdingen, Bad Vil- bel/Bad Homburg. Von Gießen und seiner nächsten Umgebung wird al- les Gedruckte gesammelt, was erreichbar ist; leider ist hier eine auch nur annähernde Vollständigkeit bei den uns gegebenen NMöglichkeiten nicht zu erreichen. Wir sind vielmehr auf eine große Bereitwilligkeit und Hilfe der städtischen Amter und darüber hinaus der Bürgerschaft angewiesen. Keinesfalls aber soll die Bücherei des Archivs in Konkur- renz zur Universitäts- oder Stadtbibliothek treten, da sie deren Auf- gaben nicht übernehmen, so z.B. Ausleihen nur in seltenen Fällen vor- nehmen kann.

Entsprechend ihrem Zweck, in erster Linie der orts- und landesge- schichtlichen Kenntnis und Forschung zu dienen, wurde die Bücherei nach bestimmten geographischen und sachlichen Bereichen geordnet und innerhalb dieser Ordnungs-Buchstaben nach laufenden Nummern im Zugang inventarisiert. Jedes neu angeschaffte oder anders zugegan- gene Buch erhält drei Karteikarten; eine wird nach Verfasser, die zweite nach Sachgebiet eingestellt. Eine dritte Karte, die im Buch liegt, wird bei evtl. Ausleihe herausgenommen; sie kann später in ei- nem stärker detaillierten Sachkatalog Verwendung finden.

Seit Beginn meiner Tätigkeit sah ich die Zusammenarbeit mit allen städtischen Dienststellen und Amtern als eine wichtige Aufgabe an. Dabei ging es mir zunächst darum, Aktenvernichtungen ohne Einschal- tung des Archivs, wie sie- wie ich festgestellt habe- bis dahin mehrfach vorgekommen sind, zu stoppen. Mit amtlichen Rundschreiben und persönlichen Vorsprachen bei den Amtsleitern begann ich meinen Marsch durch die Institutionen, dessen Erfolg für mich schwer zu bestimmen ist. Immerhin glaube ich, daß sich die Existenz eines Stadtarchivs heute bis in die letzte Amtsstube der Stadtverwaltung herumgesprochen hat. Hierzu hat wohl auch ein Referat über"Wesen und Bedeutung des Stadtarchivsn beigetragen, das ich Anfang 1973 vor den Behördenleitern und ihren Stellvertretern halten durfte. Von Zeit zu Zeit mache ich in den behördlichen Rundschreiben und in den amt- lichen Bekanntmachungen der Tageszeitungen auf das Archiv aufmerk- sam. Ob dies alles genügte, willkürliche Aktenvernichtungen ganz zu verhindern, wage ich nicht mit ja zu beantworten. Eine ständig wachsende Zahl von Auskünften, die wir den verschiedenen städtischen Amtern geben konnten(s. u. Abs. 5), haben sicher geholfen, die Be- deutung eines Archivs zu erkennen.

Aktenabgaben aus städtischen Amtern habe ich während meiner Tätig- keit nur entgegengenommen, wenn sie in die Zeit vor 1933 zurück-

95