brannt, und eine nicht geringe Zahl von Akten wirkte angefressen oder von Pilzen angegriffen. Wer diese Archivalien in ihrem beschädig- ten Zustand sah oder gar in der Hand hatte, würde wohl kaum für ihre Erhaltung plädiert haben oder gar ihre Wiederherstellung, d.h. Lesbarkeit, für möglich gehalten haben. Wenn dies trotzdem bei fast allen Stücken gelungen ist, sc darf man dies dem fachlichen Können und Geschick des Restaurators am Staatsarchiv Marburg, Ludwig Rit- terpusch, zuschreiben. Durch die Neueinrichtung einer Haushaltsstelle Restaurierung“ war es ermöglicht worden, daß jährlich eine große Zahl beschädigter Stücke nach Marburg gebracht werden konnte. Herr Ritterpusch, der als einer der befähigsten Kräfte seines Faches in der Bundesrepublik gilt, hat zweifellos das Verdienst, dem Stadtarchiv Gießen eine große Zahl von Archivstücken erhalten zu haben, die un- ter anderen Umständen in die Mülltonne gewandert wären. Diese Ak- tion der Wiederherstellung ist noch immer im Gange, wenn sich auch die Arbeit mehr und mehr auf das sachgemäße Einbinden zerfledderter Akten verlagert hat.
Eine ähnlich gelagerte Aufgabe ist die Sicherung der Buch- und Zeit- schriftenbestände durch laufende Buchbindearbeiten. Der völlige Neu- aufbau einer Handbibliothek- die Bücherei des Stadtarchivs war 1944 im Haus Gartenstraße 30 verbrannt- erforderte und erfordert den Ankauf vieler antiquarischer Stücke. Diese älteren, heute nur selten angebotenen Titel befinden sich meist in einem sehr schlechten Zu— stand und müssen baldmöglichst neu gebunden werden; auch die im Stadtarchiv gesammelten Zeitschriftenreihen erhielten im Laufe der Jahre je ihren eigenen Einband. Schließlich erhalten auch bestimmte Archivalien(z. B. die Zunftbücher) nach und nach eine feste Decke. Diese Arbeiten führte bisher ein Buchbindemeister in Fulda in Heim-— arbeit relativ billig und schnell aus; durch meine dienstliche Tätigkeit in Fulda konnte das zu bearbeitende Material immer leicht hin und her gebracht werden. Zur Erhaltung der Bestände werden auch die Buchbindearbeiten ständig weitergehen müssen.
Die Handbücherei des Archivs, deren erstes Buch im Jahre 1966 ge-— kauft wurde, hat inzwischen einen großen Umfang angenommen. Ein-— schließlich aller Zeitungen und TZeitschriften, der Broschüren und Festbücher umfaßt sie derzeit ca. 3500 einzelne Titel. Ihr Wert dürfte zwischen 60 000 und 80 000 DR liegen. Ein beträchtlicher Teil der Bücher ist dem Archiv aus Schenkungen noch lebender oder aus Nach- lässen verstorbener Bürger zugeflossen. Auch durch Tausch von Dubletten mit Antiquariaten oder Privatpersonen konnten wertvolle Schriften und Bücher erworben werden. Daneben wurden jährlich eine wechselnde Zahl von Dubletten verkauft, so daß das Archiv auch eine kleine Position auf der Habenseite verbuchen kann.
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