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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Von da an kam er in immer kürzeren Abständen, bis er eines Tages fragte, ob er nicht helfen dürfe. Selbst aus Thüringen stammend, hat- te er sich die Vorliebe zur Stadt seiner Studenten- und ersten Berufsjahre bewahrt, zumal die Familie seiner Frau hier ansässig ist. Er betrachtete die Tätigkeit im Stadtarchiv von Anfang an nicht nur als eine notwendige Therapie für die Bewältigung seines von Krankheit überschatteten Ruhestandes, sondern er hatte auch stets den Wunsch, an einer Sache mitzuhelfen, die ihn interessierte und die ihm immer enger ans Herz wuchs.

Es ist hier unmöglich, im einzelnen zu schildern, was Günther Rath im Stadtarchiv und für die Fortentwicklung des Stadtarchivs getan hat. Doch kann hier das nicht übergangen werden, was seine Hand- schrift trägt und darum zu diesem Tätigkeitsbericht über das vergan- gene Jahrzehnt zählt. Dr. Rath hat die Altakten der Stadt Gießen im Dachgeschoß der Ludwigstraße in eine vorläufige Ordnung nach dem Registraturplan für die Großherzogl. hessischen Bürgermeistereien von 1908 gebracht, hat dann alle Konvolute und Faszikel einzeln durchge- sehen, die alten Einbände durch neue ersetzt und nach'numerus cur rens neu verzeichnet. Er hat dann das Verzeichnis erstellt, das die städtischen Altakten(vor 1920) fast ausnahmslos umfaßt.

In über dreijähriger Arbeit von 1969 bis 1971 schrieb Dr. Rath Zehn- tausende von Karteikarten aus den Gießener ev. Kirchenbüchern von 1575 bis 1730 ab, leistete damit die unentbehrlichen Vorarbeiten für das Gießener Familienbuch des Otto Stumpf und konnte so seine ge nealogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, die dem Stadtarchiv darüber hinaus auch immer dann zugute kommen, wenn Anfragen von Familienforschern zu beantworten sind.

Schließlich hat Dr. Rath nicht unwesentlichen Anteil daran, daß die derzeitige Zentrale' des Stadtarchivs in den Kellern des Behördenhau- ses nicht nur ein unzulängliches Provisorium blieb: Er brachte die hier lagernden jüngeren Aktenbestände(nach 1920) in eine vorläufige Ord- nung, nachdem er sie zuvor ebenfalls neu eingebunden hatte, er be- treut die Handbücherei des Stadtarchivs und hält sich fast an jedem Vormittag für einige Stunden zur Verfügung, so daß Besucher auch außerhalb der offiziellen ffnungszeiten Auskünfte einholen oder Nachforschungen anstellen können.

In Streiflichtern möchte ich abschließend noch einige Bereiche der Archivarbeit im letzten Jahrzehnt beleuchten, die zwar nicht so stark im Vordergrund standen, aber dafür keineswegs unwichtiger waren.

Im Verlaufe der Sichtung der über den Krieg geretteten Archivbestän- de fanden sich eine Menge Urkunden, Amtsbücher und Akten, die be schädigt waren. Die Schäden rührten teilweise von unsachgemäßer, feuchter Lagerung her, ein anderer Teil war angekohlt und fast ver-

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