Druckschrift 
Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen

Räumlichkeiten beibehalten werden muß, weil ja in absehbarer Zeit mit größeren Aktenabgaben der städtischen Amter gerechnet werden kann.

Schon zu Beginn meiner Tätigkeit war mir nach mehrfachen Gesprä- chen mit den maßgebenden Stellen klar geworden, daß an eigene, ge- eignete Archivräume mit Büro und Benutzerzimmer in absehbarer Zeit nicht zu denken war. Ich mußte mich also damit abfinden zu improvi- sieren und aus dem Vorgefundenen das Beste zu machen. Die vor- dringlichste Sorge war die Sicherung des Dachgeschosses im Haus Ludwigstraße 44, wo ja die Masse der städtischen Altakten und damit die wertvollsten Bestände des Stadtarchivs lagerten. Anfänglich stan- den von insgesamt 10 kleinen Zimmern nur 4 zur Verfügung, denn noch war das Stadtgesundheitsamt hier untergebracht. Erst mit dem Auszug der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung(1964) und anderer städtischer Dienststellen und schließlich der Deutsch-amerikanischen Bibliothek(Juli 1965) räumte das Gesundheitsamt das Dachgeschoß, und das Stadtarchiv konnte alle Zimmer übernehmen. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß dies zwar eine räumliche Verbesse rung mit sich brachte, aber nichtsdestoweniger das Dachgeschoß im 3. Stock dieses Hauses denkbar ungeeignet für die Archivbestände ist. Einmal ist hier die Brandgefahr groß, zum anderen besteht eine be- ständige Einbruchsgefahr, weil das Haus übers Wochenende leer steht, und schließlich ist der Transport von Akten hin und her äußerst be- schwerlich.

Immerhin war die Freimachung weiterer Zimmer zur rechten Zeit er- folgt, denn inzwischen war es zwingend notwendig geworden, die noch in den ehemals selbständigen Vororten Wieseck(Dachgeschoß der dor- tigen Bürgermeisterei) und Klein-Linden(Dachgeschoß der alten Schu- le) lagernden Archivalien vor drohender Vernichtung sicherzustellen und nach Gießen zu holen. DieserHeimholung, bei der ich wieder von Haupt- und Schulamt sowie vom Fuhrpark tatkräftig unterstützt wurde, gingen mehrwöchige, unter schwierigsten Verhältnissen (Schmutz, Licht- und Raummangel, Kälte) durchzuführende Sichtungs- arbeiten voraus. Sie dienten dazu, das nicht mehr archivwürdige Mate- rial schon an Ort und Stelle auszusortieren, um unnötigen Transport zu vermeiden. Die erhalten gebliebenen Archivbestände von Wieseck und Klein-Linden befinden sich heute in je einem Zimmer im Haus Ludwigstraße 44.

Eine ähnliche Aktion wurde im Winter 1971/72 in den Vororten Allen- dorf/Lahn und Rödgen nach deren Eingemeindung(1.10.1971) durchge- führt. Auch hier war Eile geboten, auch hier gingen wochenlange Sichtungsarbeiten voran. Sichergestellt werden konnten die älteren Be- stände der Archive beider Gemeinden, die ebenfalls in die Ludwig- straße gebracht wurden. Die Arbeit darf jedoch hinsichtlich beider

90