ließen, daß uuntergegangene“ Vorgänge in Zukunft weder registriert noch bearbeitet werden müssen. Es ist in den letzten Jahren häufig vorgekommen, daß ich auf Anfragen städtischer Amter mit Akten die- nen konnte, die in der Rettungsaktion' des Sommers 1964 für das Archiv sichergestellt wurden.
Dieses erste halbe Jahr meiner Tätigkeit für das Stadtarchiv war hart und abenteuerlich zugleich. Es stand unter einem gewissen Zeitdruck, denn für Ende Oktober war der Abbruch des Gebäudes geplant. Es war beschwerlich, weil es auf dem heißen Speicher nur in den Mor-— gen- und Abendstunden auszuhalten war, aber in den tiefen, feuchten Kellergewölben selbst an den wärmsten Tagen die Kälte nach wenigen Stunden unerträglich wurde. Hinzu kamen die ungenügenden Lichtver- hältnisse, von dem unbeschreiblichen Schmutz ganz zu schweigen. Abenteuerlich aber erschien den gelegentlichen Besuchern das einsame Wühlen in dem Labyrinth des verlassenen Hauses. In jener Zeit ver- brachte ich täglich mehr als drei Stunden mit der Durchsicht von Ak- ten, auch die Sommerferien mußten herhalten, um die archivwürdigen Bestände rechtzeitig zu sichern. Als der letzte Wagen des städtischen Fuhrparks das gerettete Achivgut abtransportierte, war ein wichtiger Schritt in Richtung auf die Zusammenlegung des Archivs getan. Wenig später wurde das alte Stadthaus in Steinsgarten abgerissen und mit ihm verschwand das aussortierte, überflüssige Schriftgut.
Die Archivarbeit der folgenden Jahre war von mehreren Schwerpunkten bestimmt, und es galt von Fall zu Fall zu entscheiden, welche Aufga- ben dringlicher zu bewältigen waren.
Zunächst ging es darum, für die im alten Stadthaus sichergestellten Amtsbücher und Altakten einen geeigneten Raum zu finden. Nach wo- chenlangem Suchen in Schulkellern und Räumlichkeiten anderer kom- munaler Gebäude fand ich schließlich viel Verständnis und Entgegen- kommen bei Frau Kalbfleisch, der damaligen Direktorin der Alicen- schule am Oswaldsgarten, wo gerade das Kellergeschoß durch den Auszug der Gewerblichen Berufsschule in die Ringallee teilweise frei geworden war. In erfreulich kurzer Zeit wurden die notwendigen Regale(aus dem alten Stadthaus) in zwei großen miteinander verbun- denen Räumen eingebaut, und auch der Transport ging reibungslos vonstatten. Hierbei wie auch bei späteren Aktionen!(s. u.) haben sich die verantwortlichen städtischen Dienststellen verständnisvoll und hilfs- bereit gezeigt und haben meist schnell gehandelt. In den Kellern der alten Alicenschule(heute Sonderschule) lagerte ich städtische Akten und Amtsbücher aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vor allem die Rechnungsbücher, d.h. im wesentlichen Archivalien, die gegenwär- tig nur selten gebraucht werden, aber in einigen Jahrzehnten einmal sehr wertvoll sein können. Hier ist das eigentliche Magazin des Stadt- archivs entstanden, das auch nach dem Umzug in neue, größere
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