cherte mir die Unterstützung der Stadtverwaltung für meine Arbeit zu. Nach kurzer Bedenkzeit gab ich meine Zusage.
In seiner 100. Sitzung nach dem 2. Weltkrieg am 14. Februar 1964 faßte der Magistrat unter dem Punkt 8 der Tagesordnung"Einrichtung und Unterhaltung des Stadtarchivsn den Beschluß, mich ab 1. April 1964 mit der Leitung des Stadtarchivs zu beauftragen. Im einzelnen wurde dazu damals noch festgestellt: Es müßten für die Unterbringung der Archivbestände sowie für Besucherzimmer und Arbeitsraum 5— 6 größere Zimmer verfügbar sein. Da im Bürgerhaus und im Behörden- zentrum augenblicklich geeignete Räume nicht vorhanden seien, müsse eine zeitweilige Unterbringung im Hause Ludwigstraße 44 ermöglicht werden. Die noch im alten Stadthaus an der Bergstraße(Steinsgarten) lagernden Bestände seien vor der Niederreißung dieses Gebäudes zu sichten und die archivwürdigen Bestände sicherzustellen. Ich verpflich- tete mich zunächst für eine Zeit von ca. 15 Stunden im Monat. Der Magistrat war sich bei dieser Vereinbarung darüber im klaren, daß ei- ne regelmäßige Öffnungszeit und eine Benutzung durch interessierte Bürger und Wissenschaftler erst in späterer Zeit erfolgen könne.
Nunmehr konnte ich mit einer Arbeit beginnen, von deren Schwierig- keit ich mir wohl kaum die richtige Vorstellung machte. Die erste große Aufgabe, die sofort angepackt werden mußte, war die Sichtung der Bestände, die im alten Stadthaus nach dem Umzug der Dienststel- len ins Behördenzentrum zurückgelassen worden waren. Dies waren, wie sich bald herausstellen sollte, nicht nur zurückgesetztes Schriftgut und für überflüssig gehaltene Akten-Konvolute, sondern auch außeror- dentlich wertvolle- teilweise unersetzliche- Archivalien unterschied- licher Provenienz.
Die Zurücklassung so umfangreicher Aktenbestände hatte zweifellos mehrere Gründe: Zum einen gab es ja seit 1944 kein regelmäßig be- treutes Archiv mehr, ja auch die kurz nach Kriegsende eingerichtete malt-Registratur“ war inzwischen im Zuge der Rationalisierung aufge- löst und den einzelnen Amtern übertragen worden. Ein großer Teil der Akten war in die kalten, schwer zugänglichen Keller verbracht worden oder sie wurden auf dem geräumigen, aber unwirtlichen Speicher ge- lagert. Viele dieser Bestände reichen bis in die Zeit vor dem 1. Welt- krieg, ja manche bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Da nach 1945 eine gewisse Umschichtung und Veränderung des Personals innerhalb der städtischen Dienststellen stattgefunden hatte, waren vielen Beam- ten und Angestellten diese Vorgänge und die dazu gehörigen Akten unbekannt, zumal die Jahre des Wiederaufbaus wichtigere Aufgaben in den Vordergrund stellten. So wurden diese Altakten oft in Unwissen- heit vergessen’; es darf allerdings hier nicht verschwiegen werden, daß einige Amter wichtige und für die laufende Verwaltung durchaus noch relevante Akten mehr oder weniger in dem Bewußtsein zurück-
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