nen Altakten und Amtsbücher wirklich systematisch und umfassend auswerten zu können, erwies es sich schon bald als notwendig, wenig- stens eine vorläufige Ordnung zu schaffen. Dies war in vielfacher Hin- sicht ein schwieriges Unternehmen und erforderte einen großen Zeit- aufwand; es hat sich aber sowohl für die wissenschaftliche Weiterar- beit als auch für die zukünftige Benutzbarkeit in reichem Maße ausgezahlt. Verantwortliche Herren der Stadtverwaltung, so u. a. Kul- turdezernent Bürgermeister Kötter und Verwaltungsdirektor Mank ha- ben sich in dieser Zeit mehrfach an Ort und Stelle über den Fortgang der Arbeiten informiert.
Großen Anteil an der wieder in Gang gekommenen Archivarbeit nahm bis zu seinem Tode im September 1962 der Vorsitzende des Oberhes- sischen Geschichtsvereins und beste Kenner der Gießener Geschichte, Dr. Karl Glöckner, der ja die Archivbestände aus eigener Kenntnis und Betreuung in Erinnerung hatte. Mit Wehmut sprach er oft von den Verlusten, die der Krieg den Archivbeständen zugefügt hatte, vor al- lem von den wahrscheinlich verlorenen, wertvollen handgeschriebenen Gießener Urkundenbüchern des Lokalhistorikers Dr. Kraft aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Ich werde seine große Freude nicht ver- gessen, als ich ihm wenige Wochen vor seinem Tode die drei unver- sehrten Urkundenbücher zeigen konnte, die sich inzwischen— versteckt unter Bergen von Aktenfaszikeln- aufgefunden hatten.
Mit dem Abschluß meines Studiums im Sommer 1963 war auch meine Arbeit an den städtischen Archivalien zunächst beendet. Im Januar 1964 wurde ich zu einer Besprechung ins Stadthaus gebeten, bei der über die zukünftige Entwicklung des Stadtarchivs gesprochen werden sollte. Den Anstoß dazu hatte der Verwaltungsdirektor Mank gegeben, der die Bedeutung eines geordneten Archivs für eine moderne Stadt- verwaltung erkannt hatte und bestrebt war, Verhältnisse zu schaffen, die eine geregelte Archiwtätigkeit gewährleisteten. Zugegen waren auch der heutige Leiter des Hauptamtes Arnold und Bürgermeister Kötter als Kulturdezernent.
Man muß es um der Sache willen bedauern, daß weitsichtige Männer nicht schon 5 Jahre früher in der Verantwortung standen, denn die entscheidende Voraussetzung sinnvoller Archivarbeit sind geeignete und ausreichend große Räumlichkeiten. Bei der großzügigen Planung des Stadthauses mit seinen Nebengebäuden, das gerade erst(1962/63) be- zogen worden war, wäre es ein leichtes gewesen, etwa durch den Ausbau eines weiteren Kellertraktes dem Stadtarchiv Räume zu schaf- fen, die es für Magazin, Benutzung und Verwaltung benötigt. Es ge- hört zweifellos zu den Ungereimtheiten jener prosperierenden Aufbau- phase, daß dies nicht geschehen ist. Bei der erwähnten Besprechung im Stadthaus wurde ich gebeten, die Betreuung der städtischen Ar- chivbestände nebenamtlich zu übernehmen; Bürgermeister Kötter si-
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