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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
Entstehung
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Der seit 1903 als Hilfskraft bei der Universitätsbibliothek tätige Dr. Lehnert, der bereits ab 1931 an der Seite Ebels das Archiv der Stadt betreut hatte, wird nun auch offiziell mit der Leitung beauftragt, nachdem sich das Staatsarchiv Darmstadt bei der Stadtverwaltung Gießen nachdrücklich für ihn als Nachfolger Ebels verwendet hatte. Aus den wenigen uns überlieferten schriftlichen Nachrichten läßt sich herauslesen, daß Lehnert die Archivbestände mit rührender Sorgfalt betreute. Doch auch er hat uns kein Repertorium hinterlassen.

Dies mag insbesondere mit der Tatsache zusammenhängen, daß jetzt ndie Wanderzeit des Stadtarchivs einsetzte. Zunächst jedoch hören wir von einem langen Fachgespräch zwischen Prof. Dr. Becker vom Staatsarchiv Darmstadt und Dr. Lehnert am 15.9.1933, also wenige Tage nach Ebels Tod. Danach sollte Lehnert die Ordnung und Ver- zeichnung bis zum 1.4.1934 zustandebringen. Wir wissen nicht, ob die- ses Verzeichnis je erstellt wurde, oder ob es vielleicht im Kriege un- terging. Noch lebende Personen, die befragt werden konnten, wissen sich an kein Archiwerzeichnis zu erinnern.

Recht interessant ist, daß Lehnert am 22.9.1933 damit begann, in städtischen Gebäuden Nachforschungen nach weiteren Akten anzustel- len.

Gegen Ende des Jahres 1935 muß das Stadtarchiv wieder aus der Uni- versitätsbibliothek wegen Raummangels verlagert werden; es findet im April 1936 im Lyzeum eine Notunterkunft und wird dann am 15.10. 1936 im 1. Stock des Hauses der Burschenschaft Alemannia in der Gutenbergstraße untergebracht.

In einem vom Deutschen Gemeindetag angeforderten Fragebogen finden wir folgende Angaben über das Stadtarchiv: Dezernent: Oberbürgermeister Archivar: Eine Person mit 1/3 ihrer Arbeits- kraft(Dr. Lehnert) ca. 16-20 Stun- den pro Woche

Personalausgaben: 800.- Reichsmark Sachausgaben: 820.- Reichsmark Ankauf v. Archivalien: 100.- Reichsmark Archivbestand: 108 Urkunden

ca. 750 Bücher ca. 2100 Aktenfaszikel und Rech- nungsbände

Vom 1. April 1938 an erhielt Dr. Lehnert 1 500.- RM jährlich für seine Arbeit im Archiv.

Für die Zeit bezeichnend sind zwei Altpapierverkäufe: Am 7. Februar 1935 2429(!) kg für 36,43 RM und am 29. April 1938 950 kg für 19,58 RM.

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